Zerwürfnis : RWE-Aufsichtsrat geht

Auf der Hauptversammlung des Stromversorgers RWE gab es am Mittwoch gute Zahlen und einen Eklat: Der 61-jährige Aufsichtsratsvorsitzende Thomas Fischer kündigte völlig überraschend seinen Rücktritt an.

Essen - Auf der Hauptversammlung des Stromversorgers RWE gab es am Mittwoch gute Zahlen und einen Eklat: Der 61-jährige Aufsichtsratsvorsitzende Thomas Fischer kündigte völlig überraschend seinen Rücktritt an. Als Grund nannte er seine persönliche Lebensplanung. Doch dies gilt nur als vorgeschoben. Zuletzt war vermehrt von einem tiefen Zerwürfnis zwischen dem Kontrollgremium und Vorstandschef Jürgen Großmann zu lesen.

Die Prognose für das laufende Geschäftsjahr hätte eigentlich für gute Stimmung sorgen müssen: Trotz der Finanz- und Wirtschaftskrise will RWE auch 2009 ein Ergebnis in der Höhe des Vorjahres erzielen. Bis 2012 soll der Gewinn zwischen fünf und zehn Prozent zulegen. Probleme räumte Vorstandschef Großmann allenfalls bei einem Rückgang des Stromabsatzes und bei einem schwächeren Ergebnis im britischen Geschäft ein.

Doch es wurde schnell klar, dass die Zahlen nicht im Mittelpunkt stehen würden. Eine ungewöhnliche Versammlung kündigte sich an. Die Sitzung begann mit Verspätung und als RWE-Chef Großmann nach zehn Minuten endlich die Bühne betrat, fehlte vom Aufsichtsrat noch jede Spur. Erst nach einer Weile erschienen die Aufsichtsräte mit versteinerter Miene. Nur kurz vorher hatte das Kontrollgremium getagt und von Fischer die Rücktrittsnachricht erfahren.

Im Laufe der Sitzung soll sich Fischer über die „anhaltenden Indiskretionen“ im Aufsichtsrat beschwert haben. Nach Informationen des „Handelsblattes“ bezog sich Fischer dabei auf Details einer am Dienstag vorgestellten vertraulichen Studie über die Arbeit des Aufsichtsrates.

Der ehemalige WestLB-Chef steht seit 2004 an der Spitze des RWE-Aufsichtsrats. In der letzten Zeit soll es zunehmend zu Reibereien mit Vorstandschef Großmann gekommen sein. Laut Medienberichten gehe vielen seine „bevormundende Art“ auf die Nerven. So soll Großmann etwa mehrfach mit Rücktritt gedroht haben, falls er für seine Vorschläge kein grünes Licht bekommen sollte. Der Manager, der seit Herbst 2007 seinen Posten innehat, krempelt derzeit den Konzern um. Sein Ziel ist es, RWE effizienter zu machen und Doppelzuständigkeiten abzubauen.

Von vielen Aktionären erhielt Großmann Unterstützung. „Der Aufsichtsrat wusste doch, dass er mit Großmann einen Macher zum Vorstandschef bestellte“, sagte ein Aktionärsvertreter.

Unklar blieb zunächst, wer Fischer an die Spitze des RWE- Aufsichtsrats folgen könnte. In der Vergangenheit war über Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard Schulz als möglichem Nachfolger spekuliert worden. dpa

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