Wirtschaft : Zetsche entscheidet schon früher mit

Designierter Daimler-Chrysler-Chef soll ab Herbst bei der Planung dabei sein

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Frankfurt am Main Der designierte neue Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche wird den Kurs des Autokonzerns bereits ab Herbst weitgehend bestimmen. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen wird der bisherige Chef der US- Sparte Chrysler in sämtliche ab September anlaufenden Planungsgespräche vom scheidenden Vorstandschef Jürgen Schrempp eingebunden. Ab Herbst werde Zetsche deshalb einen Großteil seiner Zeit bereits in der Konzernzentrale in Stuttgart-Möhringen verbringen.

Noch vor Ablauf der sechsmonatigen Interimsphase wird Zetsche damit die ersten Weichen stellen. Der tatsächliche Führungswechsel ist erst zur Jahreswende geplant. An einen großen Auftritt Zetsches auf der Automobilausstellung IAA ist dagegen bisher nicht gedacht. Die IAA findet ab 15. September in Frankfurt statt.

Durch die frühe Einbindung von Zetsche in alle wichtigen Entscheidungen wird die Branche möglicherweise früher als erwartet erste Hinweise erhalten, an welchen Stellschrauben der neue Vorstandschef drehen wird. Insider sind sich sicher, dass Zetsche bereits begonnen hat, eine umfassende strategische Neueinschätzung vorzunehmen. Nach Beurteilung von Analysten wird sich diese auf alle Bereiche mit einer unterdurchschnittlichen Entwicklung richten, was auch die krisengeschüttelte Kleinwagentochter Smart neu in den Fokus rücken lässt.

In Unternehmenskreisen wird jedoch nicht erwartet, dass Zetsche bereits mit drastischen Änderungen der Unternehmensstruktur starten wird. Nehme man Zetsches Vorgehen beim Sanierungsfall Chrysler zum Maßstab, werde der neue Konzernchef zunächst einen sehr starken Fokus auf eine Erhöhung der Produktivität und auf Kostensenkungen legen, heißt es. Bei Chrysler stand das Schließen der Produktivitätslücke zu den japanischen Anbietern stets im Vordergrund der Anstrengungen. Dass der neue Chef besonnen vorgehen werde, zeigt auch, dass er einige Schrempp-Vertraute, darunter Kommunikationschef Hartmut Schick, bereits gebeten hat, an Bord zu bleiben.

Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm ließ durchblicken, dass Zetsche ihm in den Vorgesprächen Kontinuität in der Grundausrichtung des Unternehmens zugesichert habe. Branchenkenner sind sich aber sicher, dass Zetsche nach der Dauerkritik am Kurs seines Vorgängers nicht lediglich mit einem „Weiter so“ starten könne. Der massive Kurssprung der Aktie nach der Ankündigung des Rückzugs von Schrempp beweise, wie groß bei Investoren der Wunsch nach Veränderung ist.

Zetsche wird sich deshalb rasch der Baustellen im Konzern annehmen müssen. Die Suche nach einem Kooperationspartner für Smart könnte damit eine neue Dringlichkeit erhalten. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen hatte der Autokonzern bereits seine Fühler zu anderen Herstellern ausgestreckt. hz (HB)

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