Wirtschaft : Zetsche: Wir wollen weltweit die Besten sein

Der Vorstandschef will Mercedes profitabler machen. Die Sanierung und Trennung von Chrysler kostet bis zu vier Milliarden Euro

Alfons Frese

Berlin – Daimler-Chrysler-Vorstandschef Dieter Zetsche sieht den Konzern ohne die Chrysler Group auf gutem Wege. „Unsere Ausgangsposition ist solide“, sagte Zetsche am Montag in Stuttgart. Mit Hilfe der „überdurchschnittlich hohen Finanzkraft“ wolle man „der weltweit führende Hersteller von Premium-Fahrzeugen sein“. Willi Diez, Professor für Automobilwirtschaft in Nürtingen, sprach von einem „Befreiungsschlag für Daimler und Mercedes“. Für die Mercedes Car Group kündigte Zetsche in den kommenden Jahren eine deutliche Renditesteigerung an. Der Konzern insgesamt muss aber in diesem Jahr noch eine Belastung durch die Sanierung und den Verkauf von Chrysler zwischen drei und vier Milliarden Euro verkraften.

Der Finanzinvestor Cerberus übernimmt 80,1 Prozent der Chrysler Group mit den Marken Chrysler, Jeep und Dodge für 5,5 Milliarden Euro. Wie das Geld verteilt wird, ist kompliziert. Von den 5,5 Milliarden Euro werden 3,7 Milliarden Euro in das künftige Autogeschäft von Chrysler gesteckt und 800 Millionen Euro in das Finanzdienstleistungsgeschäft. Eine Milliarde Euro bekommt Daimler von Cerberus; gleichzeitig gibt Daimler ein Darlehen von 300 Millionen Euro an Chrysler. Ferner übergibt Daimler das Chrysler-Industriegeschäft schuldenfrei. Ganz wichtig für den Verkäufer Daimler: Die finanziellen Verpflichtungen der Chrysler Group für Pensionen und die Gesundheitsfürsorge von Mitarbeitern, die auf rund 14 Milliarden Euro geschätzt werden, bleiben bei Chrysler.

Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm kündigte an, die Arbeitnehmerseite werde am kommenden Mittwoch im Aufsichtsrat dem Verkauf zustimmen. Für Ron Gettelfinger, Chef der amerikanischen Autogewerkschaft und Mitglied im Daimler-Chrysler-Aufsichtsrat, wird „die Transaktion mit Cerberus den Interessen unserer Mitglieder, der Chrysler Group und von Daimler am besten gerecht“. Womöglich haben die Beteuerungen von Cerberus-Chef John Snow den Gewerkschafter überzeugt. Er sei zuversichtlich, dass Chrysler die „erheblichen Herausforderungen bewältigen wird“, sagte Snow in Stuttgart. Cerberus werde „ein Management zur Verfügung stellen, das sich auf langfristige Ziele fokussiert statt auf Druck kurzfristiger Ergebniserwartungen“. Zum Management werde aber nicht Wolfgang Bernhard gehören. Der frühere Mercedes-, Chrysler- und VW-Manager ist Berater bei Cerberus und dürfte in dieser Funktion beim Chrysler-Verkauf mitgewirkt haben. Bernhard und Zetsche sind befreundet.

Autoprofessor Diez zufolge ist Chrysler die „extreme Abhängigkeit vom amerikanischen Markt“, der sich „fatal“ entwickelt habe, zum Verhängnis geworden. Seiner Einschätzung nach werde Cerberus jetzt die Chrysler Group sanieren und anschließend womöglich versuchen, die wertvollen Marken Dodge und Jeep zu vermarkten.

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