ZEW-Konjunkturbarometer sinkt : Die Investoren sind nervös

Das Barometer für die ZEW-Konjunkturerwartungen ist überraschend deutlich gesunken. Die geopolitische Lage macht der Wirtschaft Sorgen.

René Wagner, Reinhard Becker
Weniger Export als angenommen. Die deutschen Ausfuhren werden 2014 laut DIHK nur um 3,5 Prozent wachsen. Daran haben die "Fragile Five" ihren Anteil
Weniger Export als angenommen. Die deutschen Ausfuhren werden 2014 laut DIHK nur um 3,5 Prozent wachsen. Daran haben die "Fragile...Foto: dpa

Börsenprofis bewerten die Aussichten für die deutsche Wirtschaft im August den achten Monat in Folge skeptischer. Das Barometer für die ZEW-Konjunkturerwartungen sank überraschend deutlich um 18,5 auf 8,6 Punkte und damit so kräftig wie seit rund zwei Jahren nicht mehr, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner Umfrage unter Investoren und Analysten mitteilte. Das ist der tiefste Stand seit Dezember 2012. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur einen Rückgang auf 18,2 Zähler erwartet.

"Die Aufbruchstimmung ist dahin"

"Die konjunkturelle Aufbruchstimmung ist dahin. Stattdessen macht sich Konjunkturskepsis breit - vor allem wegen der geopolitischen Lage. Die überzogenen Wachstumserwartungen werden nun angepasst. Aber alles, was vorher gut war, ist nun nicht auf einmal schlecht. Einen Konjunktureinbruch müssen wir nicht fürchten, aber Abstriche beim Wachstum hinnehmen", sagte Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe in einer ersten Reaktion.

Und Christian Schulz von der Berenberg Bank meint: "Ganz klar: Die Sorgen um das Wachstum in Deutschland und der Euro-Zone sowie die Eskalation in der Ost-Ukraine machen die Finanzmärkte nervös. Der stärkste Rückgang seit der Euro-Krise 2012 zeigt, wie nervös die Investoren sind."

"Der Rückgang kommt nicht überraschend"

Allerdings ist der ZEW-Index oft sehr volatil. Er zeigt ganz gut Wendepunkte an, aber nicht, wie stark eine konjunkturelle Abkühlung ist. In den kommenden Monaten könnte sich die Nervosität wieder legen, wenn die Nachrichten aus der Ost-Ukraine positiver werden und das gar nicht so schlechte Wachstum der Weltwirtschaft wieder in den Vordergrund rückt.

"Der Rückgang kommt nicht überraschend, denn neben der zuletzt enttäuschenden Industriekonjunktur sorgen die geopolitischen Krisenherde in der Ukraine, in Nahost und im Irak für eine Stimmungseintrübung. Es ist mit einer nachlassenden Dynamik der konjunkturellen Entwicklung zu rechnen“, sagt Ulrich Wortberg von der Helaba. Reuters

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