Zigarettenindustrie : Die Tabaklobby kämpft gegen das Schwarzrauchen

Japan Tobacco und weitere Konzerne haben Ende 2007 einen mehr als 15 Jahre laufenden Vertrag mit der EU-Kommission geschlossen.

Was man beim ersten Blick für ein Kamel halten könnte, entpuppt sich erst beim zweiten als Ziegenbock. Zollfahnder nennen die Jin Ling "Bergziege" - oder eben "Camel für Arme". Diese Ähnlichkeit ist auch in der Zentrale von Japan Tobacco (JTI), dem drittgrößten Tabakkonzern der Welt, aufgefallen. JTI vertreibt die 95 Jahre alte US-Marke Camel. "Wir befassen uns mit dem Thema", sagt JTI- Sprecherin Heike Maria Lau. Die westlichen Hersteller beobachten seit Jahren Verstöße gegen Marken- und Patentrecht. Aber die Einflussmöglichkeiten auf russische und chinesische Hersteller sind extrem begrenzt.

Um doch etwas zu tun, haben JTI und weitere Konzerne Ende 2007 einen mehr als 15 Jahre laufenden Vertrag mit der EU-Kommission geschlossen, welcher eine enge Zusammenarbeit mit dem europäischen Amt für Betrugsbekämpfung (Olaf) und den Ermittlungsbehörden der 26 Mitgliedstaaten vorsieht: 400 Millionen Dollar (271 Millionen Euro) zahlt allein JTI in dem Zeitraum an Kommission und Zöllbehörden. Bei der Unterzeichnung sagte JTI-Chef Pierre de Labouchère über den Schmuggel: "Dieses immense, hochentwickelte und weltweit betriebene Geschäft benachteiligt unsere seriösen Einzelhändler und Verbraucher, die nicht unbedingt das erhalten, wofür sie bezahlen. Und es entzieht den Regierungen legitime Einnahmen."

Die Hersteller rüsten auch technisch auf, arbeiten intensiv an sogenannten "Tracking und Tracing"-Verfahren, also der elektronischen Kennzeichnung von Waren. Behörden und Ermittler sollen jederzeit Daten über Herstellung, Lagerung und Verkauf von Zigarettenkisten erhalten können, heißt es. JTI will diese Markierungen künftig auf einzelne Stangen und sogar Schachteln ausweiten. Jeder Raucher trüge dann einen elektronisch auslesbaren Mikrochip mit sich.

Vor dem Hintergrund sinkender Absätze formiert sich auch die deutsche Lobby: Die Philip Morris GmbH und der Bundesverband des Tabakwaren Einzelhandels BTWE starteten Anfang Juni die Initiative "Schwarzrauchen - eine miese Nummer". Im Rahmen der Kampagne hängen sie unter anderem 2000 Plakate in 16 Städten auf. Es sind Appelle an die Bevölkerung, nur versteuerte Zigaretten zu rauchen: Die Milliarden, die dem Staat durch "Schwarzrauchen" entgehen, fehlen für Investitionen und soziale Einrichtungen, lautet ein Argument. Außerdem rechnen Hersteller und Händler vor, dass der Wert aller 2007 unversteuert gerauchten Zigaretten dem Umsatz entspricht, den 10 200 Angestellte im Handel erwirtschaften würden. Auch das sei eine "miese Nummer". Um den Schmuggel einzuschränken macht sich Philip Morris zudem dafür stark, dass die absoluten Steuersätze für Zigaretten in allen EU-Ländern angeglichen werden. kph

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