Zigarettenschmuggel : Illegal rauchen

Durch den Zigarettenschmuggel entgehen der EU jedes Jahr zehn Milliarden Euro. Nun startet Philip Morris eine Informationskampagne, die über die vermeintlich schlechte Qualität illegaler Produkte aufklären will.

Yasmin El-Sharif
Tabakkampagne
Billig gleich schlecht? Branchenführer Philip Morris startet eine Plakat-Kampagne gegen illegale Produkte. -Foto: promo

Berlin - Der Zigarettenschmuggel in der EU nimmt riesige Ausmaße an: 3,2 Milliarden illegal gehandelte Zigaretten wurden 2006 von den Zollbehörden beschlagnahmt. Doch das sei nur ein kleiner Teil dessen, was jedes Jahr illegal über die Grenzen geschafft werde, sagte Yvo Hermans, Mitarbeiter beim Europäischen Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF), am Donnerstag in Berlin. Hochgerechnet etwa 64 Milliarden Zigaretten werden jährlich innerhalb der EU geschmuggelt, darunter auch gefälschte. Die meisten davon gelangen unversteuert in die Privathaushalte der europäischen Staaten. „Die Verluste, die den einzelnen Ländern dadurch entstehen, sind enorm“, sagte Hermans. Rein rechnerisch liegt der Steuerverlust innerhalb der EU dadurch bei knapp zehn Milliarden Euro.

Die Deutschen rauchen besonders gern steuerfrei. Etwa jede fünfte Zigarette, die 2006 hierzulande geraucht wurde, ging am Fiskus vorbei. Aber nicht nur das Finanzministerium trifft das. Besonders die Tabakindustrie hat durch den illegalen Handel seit einigen Jahren mit fallenden Umsätzen zu kämpfen.

Weil die Behörden dem Problem nicht alleine Herr werden, hat der Größte der Branche, Philip Morris, deshalb eine Informationskampagne in Deutschland gestartet. Ab dem heutigen Freitag verbreitet der Hersteller von Zigaretten wie Marlboro oder L&M an zentralen Stellen Plakate und Broschüren mit der Aufschrift „Zigaretten sollten Sie nicht irgendwo kaufen“. Die Plakatierung beginnt in Berlin, es folgen das Ruhrgebiet, die Grenzregionen zu Polen und Tschechien und die Städte entlang der Autobahn A2 – der typischen Schmugglerroute aus osteuropäischen Ländern in Richtung Westen. „Wir wollen die Leute dadurch auf die Gefahren durch gefälschte und geschmuggelte Zigaretten aufmerksam machen“, sagte Jacek Olczak, Deutschlandchef von Philip Morris. „Wer Zigaretten nicht im regulären Handel kauft, gefährdet nicht nur seine eigene Gesundheit, sondern unterstützt möglicherweise die organisierte Kriminalität.“

Die gefälschten Produkte enthalten nach Angaben des OLAF-Mitarbeiters Hermans oftmals sehr viel gefährlichere Substanzen als sie ohnehin in Zigaretten zu finden seien. So hätte die Behörde in einem Teil der beschlagnahmten Zigaretten beispielsweise Insektenpestizide gefunden. „Was uns wirklich Sorgen macht, ist dass es immer mehr Fabriken in Europa gibt“, sagte Hermans. Früher seien gefälschte Zigaretten in erster Linie aus Asien gekommen, „aber seit 2005 haben wir 19 Fabriken im europäischen Raum aufgedeckt und geschlossen“. Erst vergangene Woche sei das in Wien der Fall gewesen. Yasmin El-Sharif

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