Wirtschaft : Zinsängste werden die Kursentwicklung weiterhin bestimmen

So wie uns der April ein Hin und Her der Wetterlage beschert hat, erlebten auch die Weltbörsen in eben diesem Monat ein Wechselbad der Gefühle. Gekennzeichnet von der bereits im März begonnenen Umorientierung der Anleger - weg von den sogenannten TMT-Werten (Technologie, Medien, Telekommunikation), hin zu den Werten der "alten Ökonomie" - präsentierten sich die weltweiten Indizes zum Monatsbeginn noch in einer gefestigten Position. Neue Konjunkturdaten und insbesondere der deutlich über den Erwartungen ausgefallene Anstieg der Kernrate des Konsumentenpreisindex in den USA sorgten erst zur Monatsmitte für erneut aufkommende Zinsbefürchtungen auf dem Börsenparkett. Es folgte eine branchenunabhängige Korrekturphase, die den Märkten deutliche Kurseinbußen bescherte. Technologielastige Indizes standen besonders unter Druck und mussten zwischenzeitlich auf Wochenbasis Rückschläge von bis zu 25 Prozent verzeichnen.

Die bestehenden Zinsunsicherheiten werden auch in den kommenden Wochen kursbestimmendes Thema an den Aktienmärkten sein. Die Europäische Zentralbank hat bereits am 27. April mit einem Zinsschritt auf die im März durchbrochene Zwei-Prozent-Zielmarke bei der Jahresinflationsrate reagiert. Dieser Schritt hat erneut die Märkte temporär belastet, sollte jedoch ausreichen, die Preisgefahren zu entschärfen, zumal die Inflationsrisiken nach den moderaten Lohnabschlüssen in Deutschland und den gesunkenen Rohstoffpreisen geringer geworden sind. Neben den Zinsrisiken stellen die hohe Volatilität sowie die noch immer bestehende "Überbewertung" einzelner TMT-Werte weitere Belastungsfaktoren für die Märkte dar.

Die positiven fundamentalen Rahmendaten in Europa stehen jedoch einer länger anhaltenden Abwärtsbewegung entgegen. Nach dem jüngsten Frühjahrsgutachten befinden sich Deutschland sowie andere europäische Länder in einem kräftigen Wirtschaftsaufschwung; für Euroland wird für das laufende Jahr eine Beschleunigung des BIP-Wachstums auf über drei Prozent vorhergesagt. Anders als in den Vereinigten Staaten hat demnach die Konjunktur in Euroland noch nicht den Zenit erreicht, so dass die zyklischen Ertragsimpulse stärker ausfallen werden.

Im Zuge allmählich nachlassender Zinsunsicherheiten erwarten wir - nach einer volatilen Seitwärtsbewegung - im zweiten Halbjahr wieder eine freundliche Kurstendenz. Bei Aktienneuengagements sollten, auch mit Blick auf die derzeit stattfindende Branchenrotation, einmal mehr Werte aus den Bereichen Chemie/Pharma und Maschinenbau im Vordergrund stehen. Diese Branchen profitieren im besonderen von zyklischen Ertragsimpulsen. Vor allem die Pharmabranche erscheint interessant, da neben der Ertragssicherheit auch Übernahmefantasien die Kurse beflügeln könnten. Zu unseren Favoriten zählen deshalb Werte wie Aventis, Henkel, MAN, Roche und Schering.

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