Wirtschaft : Zinserhöhung in den USA steht vor der Tür

FRANKFURT (MAIN) (AP). Wenn die Europäische Zentralbank am heutigen Donnerstag zu ihrer regulären Ratssitzung zusammenkommt, wird der Schatten von US-Notenbankchef Alan Greenspan über dem Treffen liegen. Denn es mehren sich die Hinweise, daß der US-Notenbankchef die Zinsen erhöhen wird. Damit würde sich der Zinsabstand zwischen den USA und Euroland aber noch weiter vergrößern - ein neuer Schlag für die im Verhältnis zum Dollar ohnedies nicht besonders kräftige Gemeinschaftswährung. Die jüngsten Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten sprechen aber eindeutig für eine Erhöhung der Zinsen durch die Fed. Zwar sind die Verbraucherpreise in den USA im Mai im Vergleich zum Vormonat unverändert geblieben. Nach einer Mitteilung des Arbeitsministerium in Washington vom Mittwoch haben die Verbraucherpreise aber im April noch ungewöhnlich stark um 0,7 Prozent zugelegt. Die Konjunkturbeobachter hatten mit einem Preisanstieg von etwa 0,2 Prozent im Mai gerechnet. Auch der künftige Bundesbank-Präsident Ernst Welteke sprach schon mit Sorge von einer möglichen Zinserhöhung in den USA, die auch die immer noch wackelige Konjunktur in Deutschland und Europa nicht ungeschoren lassen würde.

Finanzexperten rätseln nicht mehr über das Ob, sondern nur noch über das Wie der ersten Zinserhöhung in den USA seit knapp drei Jahren. Die meisten Experten rechnen mit einer Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte auf der nächsten zweitägigen Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Zentralbank Ende Juni. Dem amerikanischen Aktienmarkt ging angesichts dieser Erwartungen bereits etwas die Puste aus.

Auch den Euro könnte eine US-Zinserhöhung wieder stärker unter Druck bringen. Doch die Möglichkeiten der Europäischen Zentralbank sind eingeschränkt: Denn eine Erhöhung der Zinsen im Euroland wäre angesichts des gesamten wirtschaftlichen Umfeldes verheerend. Die Stimmung der Bundesbürger gegen die neue Währung wächst bereits. In einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Hamburger Wirtschaftsmagazins "Geldidee" hielten nur noch 38 Prozent der befragten 1000 Deutschen die Einführung des Euros zum 1. Januar dieses Jahres für richtig, 53 Prozent dagegen inzwischen für falsch.

Der frühere Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Hilmar Kopper, mahnte dagegen angesichts der gegenwärtigen Schwäche des Euros zur Gelassenheit. "Mit diesem Thema wird politische Stimmung gemacht", sagte er am Dienstag abend vor Journalisten in Paris. Die Wirtschaft dagegen sehe die derzeitige Euro-Schwäche gern.

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