Wirtschaft : Zinserwartung: Notenbanker rechnen mit weiteren Zinserhöhungen

egl

Die Notenbanken der Welt setzen wieder Fragezeichen hinter die jüngst meist nach oben korrigierten Wachstumsprognosen. In ihrem Jahresbericht warnt die "Bank der Notenbanken", die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel, vor einer harten Landung auf den Devisenmärkten und einer drastischen Kurskorrektur an den Aktienmärkten. "Es verbleibt beträchtliche Unsicherheit, ob sich die Weltwirtschaft am Beginn eines langen Aufschwungs befindet, der von Technologie und Deregulierung getragen wird, oder ob noch eine erhebliche Anfälligkeit für einen Abschwung besteht", heißt es im Jahresbericht der BIZ. Ungewohnt hohe Unsicherheit herrsche auch darüber, wie die sich rasch entwickelnden Finanzmärkte auf möglicherweise negative makroökonomische Schocks reagieren könnten.

"Mit größerer Sicherheit" lasse sich dagegen sagen, dass die derzeitige Wachstumsrate der US-Wirtschaft nicht auf Dauer aufrechtzuerhalten sei. Vor diesem Hintergrund sei die jüngste Straffung der Geldpolitik willkommen. Dass die in Basel zur 70. Generalversammlung der BIZ versammelten Zentralbankiers mit baldigen weiteren Zinsanhebungen rechnen, wurde aus der Ansprache des derzeitigen BIZ-Präsidenten und schwedischen Notenbankchef Urban Bäckström deutlich. "In einigen Industrieländern sind die Inflationsraten in jüngster Zeit gestiegen, und in den nächsten Monaten könnten weitere Zinserhöhungen erforderlich sein, um den Preisauftrieb einzudämmen, insbesondere in den Ländern, die im Konjunkturzyklus am weitesten fortgeschritten sind." Das zurückliegende Jahr werfe ein Schlaglicht darauf, "in welchem Maße eine tief verwurzelte Unsicherheit den Spielraum für die Ausgestaltung und Umsetzung der Geldpolitik sowie die Kommunikation mit der Öffentlichkeit einengt", konstatiert die BIZ in ihrem Rechenschaftsbericht.

Nach Ansicht der BIZ stehen hinter den dominierenden Entwicklungen auf den Währungsmärkten - dem schwachen Euro, dem starken Yen und dem kräftig aufgewerteten Dollar - vor allem zwei Faktoren: die Kapitalströme in Form von Portfolio- und Direktinvestitionen sowie die aktuelle und zu erwartende Position im Konjunkturzyklus. Die Schwäche des Euros, so bemerkt die BIZ, schien darüber hinaus "die Einschätzung des Marktes bezüglich der schleppenden strukturellen Reformen sowie die Dynamik der Händlererwartungen widerzuspiegeln".

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