Zinspolitik : EZB-Chef Trichet: Aufschwung ist in Gefahr

Die Europäische Zentralbank (EZB) schließt trotz hoher Inflationsraten Zinssenkungen nicht mehr aus, weil sie sich um den Aufschwung sorgt. Voerst bleibt der Leitzins jedoch bei 4,0 Prozent.

Frankfurt am Main/Berlin - „Neueste Daten bestätigen sehr deutlich Risiken für die Konjunktur“, sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Donnerstag in Frankfurt am Main. „Es gibt ungewöhnlich hohe Unsicherheiten über die Auswirkungen der Finanzmarktturbulenzen auf die Realwirtschaft.“ Dennoch ließ der EZB-Rat den Leitzins unverändert bei 4,0 Prozent.

Anders als im Januar schloss Trichet eine Zinssenkung nicht mehr kategorisch aus. Die meisten Volkswirte erwarten nach den massiven Zinssenkungen in den USA auch im Euroraum im Frühjahr oder Sommer einen ersten Schritt nach unten. Trichet bestätigte indirekt diese Erwartungen: „Entscheidungen der EZB haben nur äußerst selten Überraschungen ausgelöst und das wird auch in Zukunft so sein.“ Am Donnerstag habe es im Rat, der einstimmig entschied, aber keine Forderung nach einer Lockerung der Geldpolitik gegeben.

Damit deutet sich ein Kurswechsel bei der Notenbank an. Bislang hatte Trichet wegen der hohen Teuerung mit scharfen Worten vor Inflationsrisiken und zu kräftigen Lohnerhöhungen gewarnt. Die US-Notenbank hatte wegen der Finanzkrise und Rezessionsängsten den Zinssatz in den vergangenen Monaten von 5,25 auf 3,0 Prozent gesenkt. Die britische Notenbank folgte am Donnerstag diesem Beispiel und reduzierte ihren wichtigsten Zinssatz um 0,25 Punkte auf 5,25 Prozent.

An der Börse sorgten die Äußerungen von Trichet für Enttäuschung. Der Deutsche Aktienindex Dax beschleunigte danach seine Talfahrt und verlor zeitweise mehr als 2,5 Prozent. Auch an anderen europäischen Börsen ging es nach der EZB-Entscheidung rasant abwärts.

Die deutsche Industrie hat derweil im Dezember 2007 einen Auftragsrückgang um 1,7 Prozent verbucht, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Donnerstag mitteilte. Im vierten Quartal ergab sich insgesamt jedoch ein Auftragsplus von rund fünf Prozent – das ist der stärkste Zuwachs seit 2000. dpa/brö

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