Wirtschaft : Zinssenkung rettet den Dax

Im August waren die Anleger nervös, die Geldpolitik brachte die Wende

Christoph Giesen

Berlin - Die Anleger mussten im August zeitweise schwere Kursverluste hinnehmen. Erst gegen Ende des Monats stabilisierte sich der Deutsche Aktienindex (Dax) und übertraf mit gut 7620 Punkten sogar das Niveau des Vormonats. Ende Juli hatten Experten weitere Kurseinbußen befürchtet und waren von einem Absturz auf 6800 Punkte ausgegangen. Die schlechte Stimmung an den Aktienmärkten wurde durch die US-Hypothekenkrise ausgelöst. Viele Fonds und Banken hatten auf riskante Immobilenkredite gesetzt, die jetzt zu platzen drohen.

Grund für die plötzliche Stabilisierung ist der sogenannte Bernanke-Put. Der Chef der US-Notenbank (Fed), Ben Bernanke, senkte am 17. August einen der beiden Leitzinsen um 0,5 Punkte auf 5,75 Prozent. Die Zinssenkung gab den Aktienmärkten neue Hoffnung. Der US-Aktienindex Dow Jones erholte sich und liegt nun mit 0,91 Prozent im Plus im Vergleich zum Vormonat. Auch die Europäische Zentralbank in Frankfurt war nicht untätig und pumpte seit Anfang August rund 250 Milliarden Euro in das europäische Bankensystem. Trotz Krise und milliardenschwerer Fehler bei der Mittelstandsbank IKB und der Sachsen LB bleibt die Politik gelassen. „Bisher gibt es keine Anzeichen, dass die Krise auf die Realwirtschaft überspringt“, sagt Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD). In den USA gibt es allerdings erste Auswirkungen. Die Hypothekenkrise entwickelte sich zum Arbeitsplatzkiller, dem mehrere zehntausend Jobs besonders in der Bau- und Immobilenbranche zum Opfer fielen. Eines der Schwergewichte in dem Geschäft, die amerikanische Hypothekenkreditfirma American Home Mortgage, kündigte an, sich von rund 90 Prozent ihrer 7000 Mitarbeiter zu trennen und sich komplett aus dem Immobiliengeschäft zurückzuziehen.

Gewinner des Monats im Dax sind die Aktien von Volkswagen. Der Kurs der Wolfsburger verbesserte sich um 13,5 Prozent. Das gute Halbjahresergebnis und das hartnäckige Gerücht, der Großaktionär Porsche wolle seinen Anteil an VW aufstocken, trieben den Kurs. Ebenfalls gut lagen die Wertpapiere der Metro AG. Der Einzelhandelskonzern profitierte vom positiven Branchenklima. Außerdem rechnet der Verband der Großhändler mit einer Steigerung der Umsätze in Deutschland um 2,5 Prozent auf 778 Milliarden Euro.

Ins Minus rutschten die Bankenwerte. Die Hypovereinsbank brach um elf Prozent ein und die Deutsche Bank büßte 10,9 Prozent ein. Tui verlor 9,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Der Touristikkonzern hatte schlechte Quartalszahlen vorgelegt und wurde von der Waldbrandkatastrophe in Griechenland schwer getroffen.

Voraussagen für den kommenden Monat sind schwierig. „Man sollte eher auf der Hut bleiben“, empfehlen die Analysten der LBBW. Der Dax werde sich kurzfristig in einer breiten Spanne zwischen 7300 und 7900 Punkten bewegen. Auch die Marktexperten der Landesbank Berlin gehen allenfalls mittelfristig davon aus, „dass die Eurobörsen im laufenden Jahr ihre bisherigen Höchststände nochmals verbessern können“. Christoph Giesen

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