Zivilschutzkonzept : Panische Hamsterkäufe bleiben aus

Den Supermärkten gehen weder Wasserkästen, noch Konserven aus. Die Kunden bleiben gelassen. Trotzdem sagt ein Experte: Wir brauchen mehr solcher Konzepte!

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Symbolbilder Hamsterkauf Großeinkauf - Frau mit voll beladenem Einkaufswagen an ihrem Auto vor einem Großverbrauchermarkt in Gotha Symbol Pictures Hamster purchase Wholesale purchasing Woman with full laden Cart to her Car before a Large consumer market in Gotha
Symbolbilder Hamsterkauf Großeinkauf - Frau mit voll beladenem Einkaufswagen an ihrem Auto vor einem Großverbrauchermarkt in Gotha...Foto: imago/photo2000

Zwei Literflaschen Wasser soll jeder Haushalt pro Person zu Hause haben, rät die Regierung. Für einen Zeitraum von zwei Wochen. Das heißt bei einer vierköpfigen Familie: Mehr als 100 Liter Wasser kaufen, schleppen, stapeln. Wer macht das schon?

Der Getränkehandel bemerkt noch keine vermehrte Nachfrage, seitdem der Vorschlag vom Hamstern kursiert. In den Supermärkten gibt es nach wie vor Konserven und Dosenöffner. „Bis jetzt haben die Unternehmen noch nichts Ungewöhnliches gemeldet“, sagte Christian Böttcher, Sprecher vom Bundesverband des Deutschen Lebensmitteleinzelhandels. „Vielleicht kommt der eine oder andere Kunde noch auf die Idee, Vorräte einzukaufen, aber selbst dann wird der Anstieg moderat sein.“

Auch den Baumärkten und Ikea gehen die Regale zum Lagern nicht plötzlich aus. Bei Hornbach habe es in der letzten Woche einen leichten Anstieg gegeben. Die Gründe dafür könnten aber ganz andere sein. Panikeinkäufe bleiben scheinbar aus.

Experte für Notfallversorgung

Stephan Boy ist der Geschäftsführer eines Unternehmens, das auf Notfallversorgung spezialisiert ist. Er sagt: „Wir leiden in Deutschland unter Katastrophenarmut.“ Anders als in Teilen der USA, wo Vorräte und Bunker wegen Hurrikans normal seien, lebten die Deutschen ziemlich sicher. Wenn etwas passiere, handle der Staat. Da irritiere der Aufruf der Regierung, sich einen Vorrat an Lebensmitteln und Wasser anzulegen! „Es ist aber gut und billig, wenn der Staat dem Bürger rät, für sich zu sorgen. Die Alternative sei: Der Staat kümmert sich allein – was kostet.

Das Kompetenzzentrum Kritische Infrastrukturen, das Boy leitet, hat seinen Sitz in Berlin, und berät Stadtwerke, Kommunen, Netzbetreiber. Es analysiert, was bei einer Katastrophe passieren könnte, wie ein Totalausfall abgewendet werden kann – und erklärt, wie Krisenmanagement funktioniert. Die Nachfrage nach Krisenberatung habe in den vergangenen Monaten zugenommen. Sowohl von Unternehmen, als auch von Kommunen. „Weil das Bedürfnis nach Sicherheit da ist, wird auch investiert“, sagt Boy. Aber es müsse noch mehr passieren. „Wir brauchen ein verändertes Sicherheitsbedürfnis.“

Stromausfall über Tage ist möglich

Deutschland verfüge zwar über die zuverlässigsten Strom- und Wassernetze, aber sie funktionierten über IT-Systeme. „Und technische Systeme können nun einmal versagen“. Dazu kommt die Vernetzung: Hakt es an einer kleinen Stelle, können die Auswirkungen gravierend sein. „Deswegen ist es möglich, dass es in Deutschland zu einem flächendeckenden Stromausfall über Tage kommt“, sagt er.

Obwohl das Thema Zivilschutz mit dem Fall der Mauer verschwunden sei, gebe es nach wie vor Notfallbrunnen und Lager mit staatlichen Notvorräten. Dort liegen Säcke mit Erbsen und Linsen und Reis. Wobei Boy bezweifelt, dass die Menschen mit dieser Rohware noch etwas anfangen könnten.

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