Wirtschaft : Zocken um den Zafira

Existenzangst im Bochumer Opel-Werk.

Bochum/Rüsselsheim/Eisenach - Das Management des angeschlagenen Autobauers Opel bekommt bei seinem rigiden Sparkurs kräftigen Gegenwind zu spüren. An diesem Montag will der Betriebsrat des Bochumer Werks den Vorstand auf einer Belegschaftsversammlung zur Rede stellen. Angesichts immer größer werdender Sorgen um den Standort Bochum werden klare Zusagen gefordert. Ähnlich wie beim Astra hat Opel laut Bochumer Betriebsrat auch beim Zafira eine Produktionsverlagerung in ein kostengünstigeres Werk ausgelotet. „Auslöser unserer Sorgen war der Vorstand selbst, der in Rüsselsheim die Bochumer Produktion angeboten hat“, sagte der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel am Wochenende. Opel dementierte dies umgehend: „Das war nicht ein einziges Mal Gegenstand der Verhandlungen in Rüsselsheim.“

Die „Wirtschaftswoche“ berichtete unter Berufung auf Einenkel über Hinweise auf Vorbereitungen für eine Produktionsverlagerung des Zafira. Vom Vorstand fordert der Betriebsrat, „Planspiele“ über eine Produktionsverlagerung an kostengünstige Standorte unverzüglich einzustellen. „Man hat an allen Standorten den gleichen Katalog vorgelegt wie in Ellesmere. In Rüsselsheim hat man im Januar angeboten, wenn das akzeptiert wird, könnt ihr den Zafira bekommen ab dem Jahr 2015“, erklärte Einenkel weiter. Der Betriebsrat in Rüsselsheim habe dieses Angebot aber abgelehnt. Der Katalog sehe Verzicht auf Lohnerhöhungen und Tarifleistungen, einen verstärken Einsatz von Leiharbeitern und weitere Auslagerungen von Tätigkeiten sowie eine „totale Flexibilisierung“ der Arbeitszeit vor. „Wir werden das nicht zulassen, dass wir gegenseitig ausgespielt werden“, betonte der Bochumer Betriebsratschef. Vom Opel-Vorstand fordern die Arbeitnehmer eine Zusage, dass der Zafira im Bochumer Werk bleibt. An der Belegschaftsversammlung am heutigen Montag wollen neben Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke als Gäste auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger (beide SPD) teilnehmen.

Der Astra, das mit Abstand wichtigste Fahrzeug von Opel, soll von 2015 an nur noch im britischen Ellesmere Port und in Gliwice (Polen) gefertigt werden. Sollte Bochum im Gegenzug die Produktion des Zafira an das Stammwerk in Rüsselsheim verlieren, könnte dies das Aus für das Werk mit seinen rund 3200 Arbeitsplätzen bedeuten. „Opel steht zu allen seinen Zusagen, wie zum Standortsicherungsvertrag, der bis Ende 2014 keine Werksschließungen und keine betriebsbedingten Kündigungen zulässt“, betonte ein Sprecher von Opel am Wochenende. dpa

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