Wirtschaft : Zoo-Aktien sind wie ein Juwel

BERLIN (dr).Der Berliner Zoologische Garten ist stolz auf sich.Die Ertragslage sei ausgesprochen gut, konnte man auf der Hauptversammlung verkünden.70 Prozent der Aufwendungen konnte man selbst erwirtschaften, das Land Berlin mußte nur noch 30 Prozent oder 8,0 Mill.zuschießen.Noch 1995 waren die eigenen Einnahmen erst zwischen 50 und 60 Prozent.Doch diese Zahlen interessierten die erschienenen rund 115 Aktionäre - etwa 10 Prozent des Aktienkapitals waren damit vertreten - eher weniger.Die Fragen richteten sich eher danach, welche neuen Tiere der Zoo habe und ob die Panda-Bärin Bao Bao schwanger sei, so Prokurist Michael Hilbert.

Überhaupt sind die Zoo-Aktionäre ein besonderes Publikum.Sie erhalten nämlich überhaupt keine Dividende.Doch die Zoo-Aktie berechtigt den Besitzer und zwei weitre festzulegende Personen zum kostenlosen Eintritt in den Zoologischen Garten.Wer noch 75 DM drauflegt, darf auch ins Aquarium.Es gibt auch die Möglichkeit, Zoo-Aktien mit Aquarium zu erwerben.Für die drei Personen werden Dauerkarten erstellt, die sogar ein Lichtbild haben, so Hilbert.Da kommt ein ganz ordentlicher Betrag zusammen.Die Jahreskarte ohne Aquarium kostet an der Kasse 120 DM, wer auch noch das Aquarium dazu haben will, muß schon 180 DM springen lassen.

Der Besitz von einer der 4000 Zoo-Aktien gehört bei alteingessenen Berlinern Familien schon fast zum guten Ton.Die meisten von ihnen werden vererbt.Spenden und Nachlässe füllen seit jeher die Sonderfonds und ermöglichen den Bau neuer Tierhäuser und Gehege.

Das Land Berlin war mit 30 Anteilsscheinen der größte Einzelaktionär, doch es will verkaufen.Und die Aktie hat ihren Preis.Am Freitag wurde eine Zoo-Aktie an der Berliner Börse mit 8000 DM notiert.Doch damit nicht genug.Die Anteilsscheine des Berliner Zoos - der bereits 1841 als "Actienverein" gegründet wurde - werden zwar täglich an der Berliner Wertpapierbörse notiert, aber kaum gehandelt.Wer mehrere der vinkulierten Namensaktien kaufen will, muß Geduld haben.Monatlich wechseln nur etwa ein Dutzend den Besitzer.

Das erfolgreiche Finanzierungsmodell soll nach dem Willen der Grünen nun auch auf den Tierpark in Friedrichsfelde ausgeweitet werden.Im vergangenen Herbst schlugen sie vor, 2000 neue Zoo-Aktien im Nennwert von je 1000 DM auszugeben.Die Einnahmen aus diesen Wertpapieren sollten dort helfen, Investitionsmaßnahmen zu finanzieren.Zugleich sollten sie helfen, die öffentlichen Zuschüsse zu reduzieren.Der Tierpark erhielt im vergangenen Jahr immerhin 22 Mill.DM aus der Landeskasse.Auch in diesem Fall sollen die Inhaber kostenlosen Zutritt zum Tierpark haben.Die Papiere sollten ebenfalls vererbbar sein.

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