Wirtschaft : Zu früh gefreut

Carsten Brönstrup

Damit hatte so richtig niemand gerechnet: Die Deutschen geben kurz vor dem Weihnachtsfest Geld aus wie lange nicht und bescheren den Einzelhändlern unerwartet prall gefüllte Kassen. Trotz der Angst der Menschen vor dem Terror, trotz der immer noch schlechten Konjunkturlage hier zu Lande, trotz der steigenden Arbeitslosigkeit und der nicht eben rosigen Aussichten für das kommende Jahr. Kündigt sich da bereits die Trendwende an, wird der Aufschwung 2002 früher kommen als von den Experten bislang vermutet?

Zu allzu großer Vorfreude besteht noch kein Anlass. Denn der unerhoffte Ausgaben-Boom beruht auf einer Reihe von Sonderfaktoren. So geben viele Verbraucher nun das Geld aus, das sie nach den Anschlägen vom 11. September gespart haben, als sie vorsichtshalber etwa auf eine Flugreise verzichteten. Außerdem lagert in so manchem Haushalt noch ein eiserner Bargeld-Vorrat in nicht unbeträchtlicher Höhe. Dieses Geld tragen viele Leute nun in die Geschäfte, um es demnächst nicht umständlich in Euro umtauschen zu müssen. Und schließlich dürfte der eine oder andere größere Schein aus Schwarzgeld-Beständen noch in letzter Minute in den Kassen landen.

Der lahmen Konjunktur kann all dies zwar einen kleinen Kick geben. Doch die Binnennachfrage ist in Deutschland nicht alles. Noch fehlen die Impulse für die Außenwirtschaft. Die kann es erst geben, wenn es in den USA aufwärts geht - wofür es noch kaum Anzeichen gibt. Nach Weihnachten wird die Zahl froher Botschaften also erst einmal wieder zurückgehen.

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