Wirtschaft : Zu langsam für Paulus Neef

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Von Maurice Shahd

Der Traum des Paulus Neef ist vorbei. Der Traum von einer internationalen Multimediaagentur mit tausenden Mitarbeitern, gigantischen Umsätzen und einem explodierenden Aktienkurs. „Wir wollen die Nummer eins in Europa werden“, sagte der PixelparkGründer im Mai 2000. Heute steht er vor den Scherben einer verfehlten Unternehmenspolitik. Dabei hatte Pixelpark beste Voraussetzungen, um vom Erfolg des Internet zu profitieren. Pixelpark gehörte Mitte der neunziger Jahre zu den ersten Firmen, die Multimedia-Dienstleistungen wie die Gestaltung von Webseiten anboten. Schon 1996 verkaufte Neef die Mehrheit seiner Anteile an den Medienkonzern Bertelsmann, der die Expansion der Webagentur finanzierte. Im klassischen Stil der New Economy baute Neef neue Standorte im In- und Ausland auf, expandierte in neue Geschäftsfelder und kaufte Firmen zu.

Das Problem: Das Pixelpark-Management war dem Wachstum nicht gewachsen. Es glaubte blind den Prognosen vom unaufhaltsamen Aufstieg der Internetdienstleister. Doch anstatt neue Kunden an Land zu ziehen, war Pixelpark mit seinem eigenen Wachstum beschäftigt. Dabei entging Neef offenbar, dass sich die Situation grundlegend änderte. Die sterbenden Dotcoms fielen als Auftraggeber aus und die Firmen strichen wegen der Wirtschaftsflaute ihre E-Business-Budgets rigoros zusammen. Zudem wurden die Webdienstleister gnadenlos von der etablierten Konkurrenz in die Zange genommen. Werbeagenturen, IT-Dienstleister und Unternehmensberatungen machten fortan das Geschäft. Weder Neef noch Bertelsmann haben rechtzeitig auf diese Entwicklung reagiert. Verloren haben bei diesem Spiel die einst 1000 Mitarbeiter, von denen wohl nur 200 übrig bleiben – und die Aktionäre, die an Pixelpark glaubten.

„Geschwindigkeit ist in das Erbgut von Pixelpark einprogrammiert“, prahlte Paulus Neef vor drei Jahren. Neef war schnell. So schnell, dass er gar nicht merkte, dass er eigentlich stillsteht.

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