Wirtschaft : Zu stark auf die Region fixiert

BERLIN (olm).Etwa 3500 Berliner Firmen sind im Exportgeschäft tätig.Der Trend zeigt deutlich nach oben.Gemessen an ihren Möglichkeiten ist die Wirtschaft der Hauptstadt aber immer noch zu stark auf die Region fixiert.Die Chancen außenwirtschaftlicher Verflechtungen werden bei weitem nicht ausgeschöpft.Jörg Schlegel, Geschäftsführer der Marketing Service BAO, führt das auf den anhaltenden Strukturwandel im Westteil der Stadt zurück.Darüber hinaus seien die Exportaktivitäten im Ostteil Berlins noch zu wenig ausgeprägt, sagte Schlegel am Mittwoch anläßlich der Vorlage des BAO-Jahresberichts 1997/98.

Mit einem Anteil von insgesamt 40 Prozent bei einem Volumen in Höhe von 5,35 Mrd.DM sind die Regionen innerhalb des EU-Binnenmarktes nach wie vor die wichtigsten Abnehmer für Berliner Waren und Dienstleistungen.Den Rückgang um 650 Mill.DM gegenüber dem Vorjahr erklärt Schlegel mit regionalen Verschiebungen als Folge einer zunehmend stärkeren Exportbewegung außerhalb der EU-Märkte.Dennoch bleibt der Binnenmarkt für den Berliner Absatz unverzichtbar.Gleiches gilt auch in umgekehrter Richtung.Bei einem Wert von 3,94 Mrd.DM (1996 waren es 4,2 Mrd.DM) importierte die Berliner Wirtschaft 1997 fast 48 Prozent der Waren und Leistungen aus der Europäischen Union.Größter Handelspartner im Verbund bleibt Frankreich.Die Ausfuhren der Hauptstadt werden nach den bisher vorliegenden Zahlen mit insgesamt 13,4 Mrd.DM (13 Mrd.) angegeben.

Besonders deutliche Steigerungsraten verzeichnet der Handel mit den mittel- und osteuropäischen Staaten.Hier ist Berlin mit rund 16 Prozent der gesamten Ausfuhren stärker am Geschäft beteiligt, als alle anderen Bundesländer.Hauptabnehmerstaaten sind Polen, Tschechien und Rußland.

Kritik übte Schlegel an der Absicht des Senats, die Gelder für die Messeförderung in Höhe von 2,4 Mill.DM zu kürzen oder ganz zu streichen.Ein Wegfall würde gerade kleinere Firmen hart treffen, die bei der Präsentation ihrer Produkte im Ausland auf Unterstützung angewiesen seien.Die Berliner Wirtschaft könne auf Förderinstrumente nicht verzichten.Das gelte vor allem auch für den in Brüssel reformierten Strukturfond.Schlegel warnte davor, aus Berlin - umgeben vom Höchstfördergebiet Brandenburg - auf Dauer eine förderfreie Insel zu machen.Das Fördergefälle wäre mit erheblichen Abwanderungen ins Umland und schweren wirtschaftlichen Rückschlägen verbunden.

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