Wirtschaft : Zu teuer, zu bürokratisch, zu abgehoben

Deutsche Banken in der Kritik: Während US-Institute mit Privatkunden Milliarden verdienen, hinken die Deutschen hinterher

H. Jahberg[D. Rhee-Piening],R. Obertreis

Berlin/Frankfurt am Main – Hervorragende Unternehmenszahlen amerikanischer Banken haben die Kritik an der Geschäftspolitik deutscher Geldhäuser neu entfacht. „Die deutschen Banken haben ihre Hausaufgaben nicht gemacht“, sagte Bankenexperte Wolfgang Gerke dem Tagesspiegel. „Die Institute arbeiten zu teuer und können international nicht mithalten“, kritisierte der Erlangener Professor für Bank- und Börsenwesen.

Verglichen mit den US-Großbanken spielen die deutschen Geldhäuser in einer anderen Liga und haben nach Meinung von Experten auch keine Chance, den Abstand zu verringern. Die Citibank etwa setzt gerade einmal 40 Cent ein, um einen Dollar zu verdienen, bei den deutschen Banken sind es zwischen 70 und 90 Cent für einen Dollar (Cost-Income-Ratio). Die Deutsche Bank, Marktführer in Deutschland, kommt auf knapp 80 Cent.

Die höhere Profitabilität zahlt sich für die US-Großbanken aus. Sie konnten ihre Gewinne im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres zum Teil deutlich steigern. Der weltgrößte Finanzkonzern, die Citigroup, verbesserte seinen Gewinn im ersten Vierteljahr von 5,27 Milliarden Dollar auf 5,44 Milliarden Dollar (4,2 Milliarden Euro). Auch die deutsche Tochter, die Citibank, schwimmt auf einer Erfolgswelle. Citibank-Chefin Sue Harnett berichtete am Mittwoch, dass der Gewinn vor Steuern im ersten Vierteljahr um 25 Prozent auf 176 Millionen Euro gestiegen ist. Im Geschäftsjahr 2004 erwirtschaftete die Citibank vor Steuern einen Gewinn von 697 Millionen Euro und damit 23 Prozent mehr als im Vorjahr. „Der starke Wettbewerb auf dem deutschen Markt spornt uns an“, sagte Harnett. Noch höhere Zuwächse verzeichnete die Bank of America. Der Gewinn der Nummer drei auf dem US-Markt kletterte von 2,68 Milliarden Dollar im ersten Vierteljahr des Vorjahres auf 4,7 Milliarden Dollar.

Der Bankenverband sieht die deutschen Banken ohne Schuld: „Die Banken leiden unter der schwachen Wirtschaftslage und der starren Dreiteilung des Bankenmarktes“, sagte Manfred Weber, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken, dem Tagesspiegel. „Der Marktanteil der fünf größten Banken in Deutschland liegt zusammen bei etwa 20 Prozent, in anderen Ländern kommt der Marktführer allein auf diesen Anteil", erklärt Weber die Ertragsschwäche der deutschen Geldhäuser. Bankenkritiker Gerke hält diese Erklärungen für vorgeschoben. „Die deutschen Banken sind zu breit aufgestellt, wollen jedem Kunden alles anbieten und haben viel zu spät gemerkt, dass dies zu teuer ist. Die Institute haben zu spät auf die Kostenbremse getreten.“

„Viele ausländische Banken arbeiten profitabler“, sagt auch Konrad Becker von der Investmentfirma Merck Finck. Auch spanische Banken kämen auf Kostenquoten von unter 50 Prozent. „Die Gehälter in Deutschland sind höher und die deutschen Banken beschäftigen mehr Personal“, erklärt der Analyst die Ertragsschwäche. Die gute Personalausstattung bringe den Kunden kaum etwas: „Denn oft nimmt die Verwaltung viel Zeit in Anspruch, die dann zur Beratung der Kunden fehlt“, kritisiert Becker.

Hinzu kommt: Die deutschen Banken haben den Privatkunden lange Zeit vernachlässigt, meint Analyst Becker. Während die Citigroup und ihre deutsche Tochter Citibank ihr gutes Abschneiden nicht zuletzt dem Privatkundengeschäft verdanken, haben die deutschen Geschäftsbanken das Massengeschäft den Sparkassen sowie den Genossenschaftsbanken überlassen. Die Ertragsschwäche, meint der Analyst, habe für die deutschen Geldhäuser jedoch einen Vorteil: „Die Ertragskraft der Banken ist so gering, dass sie als Übernahmekandidaten für ausländische Großbanken nicht attraktiv sind.“ Die Citigroup, die in der Vergangenheit oft als mögliche Käuferin für die Deutsche Bank im Gespräch war, hat jetzt anders disponiert: Ende vergangener Woche bewilligte der Verwaltungsrat den Rückkauf eigener Aktien im Wert von zusätzlich 15 Milliarden Dollar.

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