Wirtschaft : Zu viel Geld für Putz-Kontrolleure

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Fritz Aernecke und seinem Sohn gehört die im Ostteil Berlins ansässige Bebra GmbH, eine Gebäudereinigungsfirma mit rund 150 Mitarbeitern. In Berlin gibt es insgesamt etwa 400 Handwerksbetriebe für Gebäudereinigung, in denen ein Meister im Geschäft ist. Dazu kommen knapp 1000 weitere Firmen, die sich mit Reinigungsarbeiten über Wasser zu halten versuchen. Alle 1400 Firmen fallen unter den Tarifvertrag. Und damit der auch eingehalten wird, haben GebäudereinigerInnung und Gewerkschaft vor drei Jahren eine Gesellschaft zur Überwachung gegründet und einen besonderen Tarifvertrag abgeschlossen, ein Regelwerk über das „Prüf- und Beratungsstellenverfahren im Berliner Gebäudereinigerhandwerk“.

Die Kosten der GmbH tragen die Firmen, die unter den Tarifvertrag fallen. Und da die damalige SPD-Arbeitssenatorin Gabriele Schöttler den Tarifvertrag für allgemein verbindlich erklärte, sind das alle Reinigungsfirmen. Aernecke geht juristisch gegen die „Zwangsmitgliedschaft“ in der GmbH vor, die ihn jährlich 4000 bis 5000 Euro koste. Seiner Ansicht nach ist die GmbH überflüssig, weil es in der Berliner Szene kaum Schwarzarbeit und untertarifliche Bezahlung gibt. Die GmbH diene vielmehr der „Marktregulierung“, indem sie aufpasse, dass sich die Unternehmen nicht wechselseitig ihre Claims abjagten. Das Instrument dazu: Nur die Unternehmen, die durch die Prüf-GmbH zertifiziert wurden, kommen für die Großaufträge aus dem öffentlichen Dienst in Frage. Aernecke spricht von einer „enormen Machtfülle der GmbH“ - und das, obwohl die sie tragende Innung nur 91 Mitglieder hat.

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