Wirtschaft : Zu viel Geld und Gelassenheit

Henrik Mortsiefer

Berlin - Die Zeichen für eine nahende Trendwende am Aktienmarkt werden immer deutlicher – nur richtig lesen muss man sie. Betrachtet man den Dax, scheint die Welt an der deutschen Börse in bester Ordnung zu sein. Um weitere rund zwei Prozent stieg der Deutsche Aktienindex in dieser Woche. Die Marke von 6000 Punkten verfehlte er am Freitag nur um 29 Zähler. In der kommenden Woche dürfte die Hürde wohl zu nehmen sein. Aber wie geht es weiter?

Umfragen bei Anlegern zeigen, dass viele Investoren die alten Höchststände des Boomjahres 2000 wieder als Orientierungspunkte ins Auge fassen. Ein alarmierendes Zeichen, denn gleichzeitig ist die Nachfrage nach Absicherungsinstrumenten offenbar gesunken, wie Helaba Trust in seinem Wochenbericht hervorhebt. Allein im Januar und Februar ist so viel Geld in deutsche Aktien geflossen wie im gesamten vergangenen Jahr. Gepaart mit der wachsenden Gelassenheit der Anleger spricht dies für ein baldiges Ende des nun mehr als drei Jahre anhaltenden Aktienaufschwungs. Daran wird in der kommenden Woche die Sitzung der US-Notenbank und die Veröffentlichung des Ifo-Geschäftsklimaindex wenig ändern.

Der Blick auf die Gewinnprognosen der Dax-Konzerne gibt einen weiteren Hinweis, dass es so stürmisch mit den Aktienkursen nicht weitergehen kann. Der DZ Bank zufolge liegen die erwarteten Gewinnanstiege für 2006 bei 8,8 Prozent und für 2007 bei 11,5 Prozent. Wie geht das mit dem allgemeinen Konjunkturoptimismus zusammen? Die Konzerne kalkulieren konservativer als die Stimmung verheißt. Für Aktienbesitzer heißt dies: Vorsicht auf den letzten Metern bis zum 6000er Gipfel.

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