Wirtschaft : Zu viel Wärme

Anlagenbauer befürchten Nachteile durch die Reform

Bioenergie wird aus Biomasse gewonnen. Das sind nachwachsende Rohstoffe wie Holz, Mais und Getreide sowie natürliche Abfallstoffe wie Gülle. Diese Stoffe werden verbrannt oder vergoren und in Wärme beziehungsweise Strom umgewandelt. Ein Teil wird auch als Kraftstoff für Motoren genutzt. 33,5 Milliarden Kilowattstunden Strom wurden nach Angaben des Bundesverbandes Bioenergie (BBE) 2010 aus Biomasse erzeugt. Das entspricht einem Marktanteil von 5,5 Prozent. Dem BBE zufolge könnte er bis 2020 auf rund zehn Prozent ausgeweitet werden, ebenso im Wärme- und Kraftstoffsektor.

Derzeit sorgen sich aber Betreiber von Bioenergieanlagen, ob dieses Potenzial auch erreicht werden kann. Die Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes benachteiligt nach Meinung der Branchenverbände insbesondere kleine, ländliche Anlagen, so dass deren Betrieb unrentabel wird. Die Vergütungssätze seien zu gering, auch der vorgesehene Mindestwärmenutzungsgrad von 60 Prozent sei ein großes Problem, weil abseits der Städte oft keine Abnehmer für die Wärme gefunden würden.

Als größter Vorteil von Bioenergie gilt die Vermeidung von Treibhausgasen. 2010 wurden nach BBE-Angaben 65,5 Millionen Tonnen CO2-Emissionen allein durch Bioenergie vermieden – die Hälfte aller Einsparungen durch erneuerbare Energien insgesamt. Ferner werden begrenzt verfügbare Rohstoffe wie Erdöl geschont und die Abhängigkeit von Staaten mit großen Erdölvorkommen sinkt.

Kritiker warnen bei wachsendem Bioenergieeinsatz vor einer Nutzungskonkurrenz. In Entwicklungsländern dienen schon viele Flächen, auf denen vorher Lebensmittel angebaut wurden, der Biomasseerzeugung. Eine Gefahr sehen Experten auch in falscher Bewirtschaftung: Werden für die Felder viel Wasser, klimaschädliche Düngemittel und Maschinen mit hohem Kraftstoffverbrauch verwendet, stimmt die Ökobilanz nicht mehr. In Deutschland gibt es deshalb eine Nachhaltigkeitsverordnung, die gewährleisten soll, dass der Einsatz das Klima schont. mch

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