Wirtschaft : Zu viele Jasager an der Börse

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Von Henrik Mortsiefer

Der Aktienkurs der Biotechfirma Medigene ist in der vergangenen Woche um 135 Prozent gestiegen. Der Grund: ein Gerücht, Medigene habe die Zulassung für ein neues Medikament bekommen. Es war nur ein Gerücht. – Der Aktienkurs des Internetunternehmens Yahoo ist in den vergangenen fünf Monaten um mehr als 80 Prozent gestiegen. Yahoo wird an der Börse aktuell mit dem Hundertfachen des Gewinns bewertet, den es im Jahr 2004 machen will.

Alle USInvestmentbanken haben ihren Bargeldbestand auf ein Minimum reduziert und sind in Aktien investiert. – Und die deutschen Banken rufen das Ende der Börsenbaisse aus. Ist auch für Kleinanleger der Zeitpunkt gekommen, Aktien zu kaufen? Ja, aber… Es stimmt, dass die Ampeln an den Kapitalmärkten wieder auf Grün stehen, weil die Unternehmen, die Konsumenten und die Volkswirte wieder optimistischer sind. Ja, der Aufschwung kommt. Ja, Aktien sind im langfristigen Schnitt noch günstig. Aber gerade die Tatsache, dass jetzt alle wieder Ja sagen, sollte hellhörig machen. Zumal, wenn die Banken in den Chor einstimmen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein Aufruf zum Aktienkauf daraus wird. Spätestens dann aber sollten Kleinanleger Verzicht üben. Haussen sterben in der Euphorie, heißt es. Der Crash 2000 hat es belegt: Anleger, die dem Lockruf der Börse folgen, wenn alle anderen ihm auch folgen – selbst die, die keine Ahnung und kein Geld haben – stürzen als erste ab. Nach einem Dax-Plus von 60 Prozent seit März könnte es wieder so weit sein. Die paradoxe Empfehlung lautet deshalb: Erst einsteigen, wenn es weniger Jasager gibt.

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