Wirtschaft : Zu wenig Angst vor Kriminellen

Studie: Deutsche Firmen unterschätzen Straftäter

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Frankfurt am Main – Gefälschte Bilanzen, Korruption und Industriespionage haben in Deutschland in den letzten Jahren zwar nicht zugenommen. Allerdings gibt es bessere Kontrollen, so dass mehr Delikte ans Licht kommen. Pro Jahr lagen die Schäden, die deutsche Unternehmen im In- und Ausland erleiden, zuletzt bei gut sechs Milliarden Euro, heißt es in einer Studie der Unternehmensberatung Pricewaterhouse-Coopers (PWC) und der Universität Halle-Wittenberg. Fast jedes zweite deutsche Unternehmen ist betroffen. Trotzdem fürchten viele Firmen offenbar aus Sorge um ihr Image die Aufklärung. Denn nur rund jede dritte Straftat wird angezeigt. Ist ein Topmanager verstrickt, gibt es nur in einem Drittel der Fälle eine Anzeige.

„Mit Blick auf die Schäden dürfte das Dunkelfeld sehr viel größer sein. Man könnte einen Schaden von sieben bis acht Milliarden Euro schätzen“, sagte der Strafrechtler Kai Bussmann von der Uni Halle-Wittenberg am Montag in Frankfurt bei der Vorstellung der Studie. PWC-Partner Steffen Salvenmoser beklagte zugleich die zu große Sorglosigkeit der Firmen. „Viele Unternehmen unterschätzen die Gefahren immer noch dramatisch.“ Die Firmen fühlten sich zu sicher, nur ein Zehntel glaube, selbst von Wirtschaftskriminalität betroffen zu werden. Nicht einmal 40 Prozent der Firmen verfügen über Anti-Korruptionsprogramme. „Deutsche Unternehmen könnten die Schäden deutlich senken, wenn sie ihre Vorbehalte gegen Prävention aufgeben würden“, sagt Salvenmoser. Dies vor allem auch deshalb, weil die Hälfte der Täter aus der eigenen Firma stammt.

Auch in den Ländern, die von Wirtschaftskriminalität besonders betroffen sind, wie etwa Russland, China, Indien, Indonesien, Brasilien, Mexiko oder die Türkei, agieren deutsche Firmen zu sorglos. Dabei sei dort der finanzielle Schaden mit rund 4,4 Millionen Euro pro Unternehmen nahezu dreimal höher als im weltweiten Vergleich. Manager aus anderen Ländern seien bei Geschäften in solchen Ländern erheblich vorsichtiger. Das erstaunt, etwa mit Blick auf China, wo deutsche Unternehmen häufiger von Industriespionage und Produktpiraterie betroffen sind. Dort beziffert die Studie im Schnitt einen Schaden von 3,66 Millionen Euro für Deutsche. Bei Firmen aus anderen Ländern liege der Schaden im Schnitt nur bei 1,33 Millionen Euro. ro

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