Wirtschaft : Zu wenig Arbeit für Leiharbeiter

Manpower kritisiert Umsetzung der Hartz-Vorschläge / Erste Personal Service Agentur in Leipzig

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Frankfurt (Main) (ro). Die anhaltende Konjunkturflaute macht auch Zeitarbeitsfirmen zu schaffen. Während die Firmen vor zwei Jahren noch händeringend nach Bewerbern suchten, gibt es heute ein Überangebot an Zeitarbeitskräften. Dabei ist die Zahl der Zeitarbeiter im vergangenen Jahr insgesamt bereits um 15 Prozent auf knapp 380 000 gesunken. Nach Angaben von Thomas Reitz, Geschäftsführer von Manpower Deutschland, ist das der niedrigste Stand seit 1998. Im nächsten Jahr wird es für Zeitarbeitsfirmen nach Ansicht von Reitz wegen der Ausweitung der Personal Service Agenturen (PSA) noch schwieriger. Manpower selbst will etwa 40 PSAs betreiben, die erste Agentur wird jetzt in Leipzig eröffnet.

Der deutsche Ableger der weltgrößten Zeitarbeitsfirma hat sich vom Branchentrend abgekoppelt und gibt sich trotz des schwierigen Umfeldes optimistisch. Im ersten Quartal habe man den Umsatz zweistellig steigern können, sagte Reitz. Für das gesamte Jahr sagt er ein mindestens einstelliges Umsatzplus voraus. Schon 2002 hatte Manpower in Deutschland weitere Marktanteile gewinnen können. Der Umsatz schrumpfte zwar um gut sieben Prozent auf 259 Millionen Euro, die Wettbewerber mussten allerdings zum Teil deutliche zweistellige Einbußen hinnehmen. Den Gewinn konnte Manpower sogar um 20 Prozent steigern, allerdings nur aufgrund eines drastischen Sparkurses. Rund zehn Prozent der Büros wurden 2002 geschlossen, derzeit sind es in Deutschland noch etwa 180. Genaue Zahlen zum Ertrag nennt Reitz nicht.

Im vergangenen Jahr waren 11 300 Zeitarbeitnehmer bei Manpower beschäftigt, 200 weniger als ein Jahr zuvor. Für sie vermittelte das Unternehmen rund 21 000 Arbeitsverhältnisse, ein Viertel der betroffenen Zeitarbeitnehmer waren zuvor arbeitslos. Der Abschlag auf die TarifGehälter belief sich dabei nach Angaben von Reitz auf etwa 15 Prozent. Computer-Spezialisten oder Ingenieure allerdings bekämen nahezu die üblichen Gehälter, bei gewerblichen Hilfskräften beläuft sich die Einbuße dagegen auf bis zu 50 Prozent.

Die Situation soll sich allerdings nach dem Willen der Bundesregierung verbessern. Ab Anfang 2004 ist auch für die Zeitarbeitsbranche ein Tarifvertrag vorgesehen. Derzeit verhandelt die Branche mit dem DGB. Nach den Vorstellungen von Reitz sollte für die ersten zwölf Monate ein bestimmter Abschlag vereinbart werden, danach sollten die jeweiligen Tarifverträge gelten. Über die mögliche Höhe des Abschlages äußert sich Reitz nicht. Die Verhandlungen verliefen aber in „sehr konstruktiver Atmosphäre“. Insgesamt erhofft er sich von einem Tarifvertrag einen Reputationsgewinn für die Zeitarbeit.

Enttäuscht ist der Manpower-Manager über die Umsetzung der Hartz-Vorschläge. Eigentlich hätte damit die Zeitarbeit ausgebaut werden sollen. „Faktisch ist das Gegenteil der Fall. Von den Hartz-Vorschlägen ist relativ wenig übrig geblieben.“ Auch der Aufbau der PSAs sei mit zu viel Bürokratie verbunden. Deswegen bewirbt sich Manpower nur bei ausgewählten Arbeitsämtern. Einig geworden ist man sich bislang nur in Leipzig, wo 100 Arbeitslose in neue Jobs vermittelt werden sollen. An anderen Orten sei man noch im Gespräch. Allerdings hätte Manpower auch schon verschiedene Absagen erhalten, weil andere Bewerber geringere Zuschüsse gefordert hätten und damit günstiger waren. Manpower wolle aber PSAs nicht als Discounter betreiben. Generell hält Reitz die PSAs für die zweitbeste Lösung, weil sie mit der Zeitarbeit konkurriert. Besser und einfacher, so der Manpower-Chef, wäre es gewesen, die Zeitarbeit stärker zu fördern.

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