Wirtschaft : Zu wenig Engagement in Lateinamerika

STUTTGART (AFP).Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) hat die Zurückhaltung der deutschen Investoren in Lateinamerika als beunruhigend bezeichnet.Bei der fünften Lateinamerika-Konferenz der Deutschen Wirtschaft in Stuttgart sagte Müller am Dienstag."Wir sind überzeugt davon, daß Lateinamerika eine der dynamischsten Wachstumsregionen der Welt bleibt." Die Bundesregierung wolle die Beziehungen zu Lateinamerika zu einem Schwerpunkt ihrer EU-Präsidentschaft im ersten Halbjahr 1999 machen.

Müller rief die EU-Staaten auf, der Europäischen Kommission möglichst bald ein Mandat für die Verhandlungen über eine Freihandelszone mit dem Gemeinsamen Südamerikanischen Markt (Mercosur) zu erteilen.Auch entsprechende Verhandlungen der EU mit Mexiko sollten vorangetrieben werden.Brasiliens Minister für Industrie, Handel und Tourismus, Jos Botafogo, forderte die EU auf der Konferenz auf, ihren "Agrarprotektionismus" abzubauen.

Bei den Freihandels-Verhandlungen mit den lateinamerikanischen Staaten müßten "akzeptable Kompromisse gefunden werden", sagte Müller.Botafogo kritisierte bei der Europäischen Union einen deutlichen Widerspruch zwischen Reden und Taten.Die Deutschen hätten eine sehr große Verantwortung, in Brüssel auf die Abschaffung des Agrarprotektionismus hinzuwirken, sagte der brasilianische Minister.

Besonders in den Bereichen Umwelttechnik, Energieerzeugung, Informationstechnik, Gen- und Medizintechnik könnten deutsche Firmen interessante Partner für Lateinamerika werden, sagte Müller.In allen lateinamerikanischen Ländern gebe es gute Investitionsmöglichkeiten, etwa bei der Verkehrsinfrastruktur, der Wasseraufbereitung oder der Abfallbeseitigung.Er versprach den deutschen Firmen die Unterstützung der Bundesregierung für Investitionen in Lateinamerika und sagte zu, die Außenwirtschaftsförderung weiter zu modernisieren.

Im vergangenen Jahr hatte Deutschland rund ein Drittel der gesamten EU-Exporte nach Lateinamerika gestellt; im Gegenzug gingen mehr als ein Fünftel der EU-Einfuhren aus der Region in die Bundesrepublik.

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