Zu wenig geboten : Ergo will Lebensversicherungen doch nicht verkaufen

Die Kunden waren verunsichert über Bestrebungen des Unternehmens, Policen zu veräußern. Nun kommt Entwarnung: Die Bestände bleiben bei Ergo.

Entwarnung von Ergo: Die Lebensversicherungs-Policen bleiben bei dem Konzern. Hier ein Blick auf die Konzernzentrale in Düsseldorf.
Entwarnung von Ergo: Die Lebensversicherungs-Policen bleiben bei dem Konzern. Hier ein Blick auf die Konzernzentrale in...Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Deutschlands zweitgrößter Erstversicherer Ergo will seine sechs Millionen klassische Lebensversicherungs-Policen nun doch nicht verkaufen. Die unverbindlichen Angebote für die Altbestände von Ergo Leben (ehemals Hamburg-Mannheimer) und Victoria Leben fielen offenbar zu mager aus. "Nach Auffassung von Ergo spiegelt sich der derzeitige Wert des Bestandes sowie dessen Wertentwicklungspotential in den Angeboten nicht angemessen wider", sagte Vorstandschef Markus Rieß am Dienstag nach einer Vorstandssitzung. "Daher werden wir unsere klassischen Lebensversicherungsbestände weiterhin unter eigener Regie verwalten."

Die Überlegungen der Münchener-Rück-Tochter - und ähnliche von Generali Deutschland - hatten bei Kunden für Verunsicherung gesorgt. Die Millionen von Policen, die sie in den Jahren mit hohen Zinsen abgeschlossen hatten, belasten die Branche derzeit, weil den Kunden langfristig Verzinsungen garantiert wurden, die heute nur schwer zu erwirtschaften sind. Deshalb müssen die Versicherer dafür viel Kapital zurücklegen. Ergo hatte deshalb zusammen mit den Beratern von Willis Towers Watson das Interesse an den Beständen bei Finanzinvestoren und anderen spezialisierten Abwicklern ausgelotet. Medienberichten zufolge schwebte Rieß ein Milliardenerlös vor.

Dabei handelt es sich um Verträge, die einst unter den Marken Hamburg-Mannheimer und Victoria-Versicherung verkauft wurden. Laut „Versicherungsmonitor“ ging es um Kapitalanlagen in Höhe von 56 Milliarden Euro. Ergo schrieb in den vergangenen Jahren Verluste und gilt deswegen als Problemtochter des weltgrößten Rückversicherers.

Laut Bericht gehörten unter anderem chinesische Investoren, US-Hedgefonds und britische Anleger zu den Interessenten. Demnach hatten Experten den möglichen Kaufpreis auf deutlich mehr als eine Milliarde Euro geschätzt.

Auch die Finanzaufsicht BaFin war Branchenkreisen zufolge skeptisch, was den Verkauf der Ergo-Bestände betrifft. Sie muss Bestandsübertragungen prüfen, hat das aber bisher nur bei einer Handvoll kleinerer Portfolien gemacht. Bei Ergo sei es so weit gar nicht gekommen, betonte Rieß. Entscheidend sei die Höhe der Offerten gewesen. Die Vorstellungen über den Wert solcher Bestände klaffen oft weit auseinander, weil viele Verträge noch jahrzehntelang laufen und die Zinsentwicklung schwer abschätzbar ist. Hinter den sechs Millionen Verträgen stehen Kapitalanlagen von mehr als 60 Milliarden Euro.

Ergo will die eigene IT verbessern

Ergo will die Bestände nun selbst weiter verwalten, holt sich dafür aber IT-Expertise ins Haus. "Im Vordergrund stehen jetzt Effizienzsteigerungen" durch eine Umstellung der Computer-Systeme, durch ein besseres Risiko- und Kapitalmanagement, sagte Rieß. In den nächsten Wochen werde spruchreif sein, mit wem der Versicherer sich verbündet, um seine veraltete IT auf Vordermann zu bringen - nicht nur für die Leben-Altbestände.

Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" hat Ergo dabei IBM als Partner im Auge. Dann könne Ergo künftig auch die Bestände anderer Versicherer verwalten, ohne sie aber zu übernehmen, sagte Rieß. (Reuters/dpa)

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