Zu wenig Interesse an Afrika : Der deutsche Mittelstand scheut das Risiko

Trotz aller Verheißungen - bei Investitionen in Afrika sind deutsche Unternehmen zurückhaltend.

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Dicht gedrängt sitzen Minister und Staatssekretäre aus mehr als 30 der 54 afrikanischen Länder neben deutschen Unternehmern im Konferenzsaal der Frankfurter IHK. Die Geschäfte der deutschen Wirtschaft mit Afrika liefen immer besser, sagt Stefan Liebing, Präsident des Afrikavereins der Deutschen Wirtschaft (AV), der zum zweiten Mal zur „Africa Business Week“ geladen hat. Afrika sei vor allem für den deutschen Mittelstand bereit, die Rahmenbedingungen für Investitionen hätten sich deutlich verbessert. „Afrika ist in Bewegung“, sagt auch Essohanam Comla Paka, Botschafter Togos in Berlin. Und trotzdem räumt Liebing ein: „Generell stagniert das Interesse“.

Daran können auch etliche Erfolgsgeschichten nichts ändern. „Wir haben schon eine Million Tonnen Zement verkauft“, sagt Gerhard Hirt, Chef der Ulmer Schwenk Zement AG, die in Namibia mit rund 300 Mitarbeitern die Zementfabrik Ohorongo betreibt. Andere deutsche Firmen sind in Mali in die Gold-Förderung eingestiegen, beteiligen sich an Saft-Herstellern in Kenia oder setzen auf den Ausbau der Windenergie in Südafrika. Große Chancen ergeben sich, sagt Liebing, überhaupt im Energiesektor. „Allein in Mozambique, werden in den nächsten Jahren 100 Milliarden Dollar in die Erschließung der Erdgas-Vorkommen investiert werden.“ Aber vielen deutschen Mittelständlern seien die Risiken in Afrika immer noch zu groß.

Der Handel Deutschlands mit den 54 Ländern des Kontinents bewegt sich bei Exporten (22 Milliarden Euro) und Importen (24 Milliarden Euro) im vergangenen Jahr auf dem Niveau des Wirtschaftsaustauschs mit Dänemark. Der Umsatz deutscher Unternehmen in Afrika lag 2010 bei überschaubaren 32,2 Milliarden Euro, 192 000 Menschen arbeiteten für deutsche Firmen. Dies muss und sollte sich ändern, sagt Liebing. Vor allem auch, „weil die nächsten Schwellenländer in Afrika liegen werden“. Mit 200 bis 250 Millionen Menschen sei die Mittelschicht allein in den Ländern südlich der Sahara größer als in Indien, berichtet Florian Witt, Chef der Afrika-Sparte der Commerzbank.

2012 lag das Wachstum im Schnitt der 54 Länder Afrikas bei vier Prozent, in diesem Jahr soll es auf 5,8 Prozent steigen. Im letzten Jahrzehnt lagen Länder wie Angola, Nigeria oder Äthiopien zusammen mit China in der Gruppe der wachstumsstärksten Volkswirtschaften. Bis 2015 werden Witt zufolge weitere Subsahara-Länder mit jährlichen Wachstumsraten zwischen 6,8 und 8,1 Prozent in diese Spitzengruppe aufrücken. Die aus Ghana, Malawi, Botswana, Gabun oder aus dem Sudan nach Frankfurt gekommenen Minister nicken zustimmend und hoffen auf mehr deutsche Firmen.

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