Zu wenig Jobs für Flüchtlinge : Berliner Arbeitgeber fürchten um Integration

Viele Berliner Flüchtlinge sind offenbar ohne Aussicht auf einen Job. Im Wahljahr ist das nicht die einzige Herausforderung für die boomende Bundeshauptstadt.

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Bei der Initiative "Arrivo" der Handwerkskammer Berlin arbeiten Flüchtlinge in der Schreinerei.
Bei der Initiative "Arrivo" der Handwerkskammer Berlin arbeiten Flüchtlinge in der Schreinerei.Foto: Rainer Jensen/dpa

Christian Amsinck wirkt ein wenig ratlos. Für zwei Drittel der arbeitsfähigen Flüchtlinge in Berlin dürfte es schwer werden einen Job zu finden, glaubt der Chef der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB). In diesem und im kommenden Jahr würden die Berliner Betriebe voraussichtlich je 5000 Geflüchteten eine berufliche Perspektive eröffnen können, sagt Amsinck am Montag beim Blick des regionalen Arbeitgeberverbands auf das gerade begonnene Jahr.

Die Hälfte der rund 80.000 Menschen, die auf der Flucht vor Krieg und Terror in Berlin gelandet sind, hätten eine Bleibeperspektive. Und rund 30.000 von ihnen würden auf den Berliner Arbeitsmarkt streben. Zahlenmäßig habe es so etwas zuletzt nach dem Mauerfall gegeben. Im Fall der Geflüchteten komme noch hinzu, dass Sprache und Kultur für sie neu sei. Allein ein Drittel von ihnen zu integrieren werde deshalb „ein Kraftakt“.

Der Verband zielt dabei vor allem auf vorbereitende Maßnahmen. In drei- bis sechsmonatigen Praktika will er die Menschen an Tätigkeiten im Bau oder Hotel- und Gastgewerbe heranführen. „Wir hoffen, dass die ersten dann im Herbst ihre Ausbildung beginnen können.“ Für die übrigen zwei Drittel sieht der Verbandschef kaum Chancen, mittelfristig auf dem Berliner Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Digitalisierung ist ein "Megathema"

Dabei läuft es konjunkturell in der Bundeshauptstadt so gut wie seit Jahrzehnten nicht. In dem Zusammenhang lobt Amsinck ausdrücklich die Arbeit von Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU). Sie war zuletzt vonseiten der IHK scharf angegangen worden. „Wir rechnen mit einem Wirtschaftswachstum von rund zwei Prozent“, erläutert Amsinck. Das sei zwar erfreulich, aber nicht nur in Bezug auf die Flüchtlinge stehe das Land vor großen Herausforderungen.

Mit Blick auf die im Herbst anstehenden Wahlen zum Abgeordnetenhaus hat der UVB eine Reihe von Forderungen an die Politik. „Bis 2030 legt Berlin um einen ganzen Bezirk zu.“ Eine wachsende Stadt brauche Wohnraum, Verkehrssysteme, Kitas, Schulen und Hochschulen. Mit 6,5 Prozent sei die Investitionsquote der öffentlichen Haushalte sehr niedrig. „Eine Quote von zehn plus X Prozent wäre schon wünschenswert.“ Es sei aber klar, dass das nicht von heute auf morgen zu erreichen sei – selbst wenn Berlin inzwischen einen Überschuss erwirtschafte.

Ein „Megathema“ für die Arbeitgeber ist die Digitalisierung. In einer künftigen Regierung müsse dem mit einem eigenen Staatssekretär Rechnung getragen werden. Er müsse koordinieren: die Start-up- Szene stärken, die Themen Smart City und effiziente Verwaltung nach vorne bringen.

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