Wirtschaft : Zu wenig Wachstum durch fehlenden Unternehmergeist

KÖLN (wmu/sil/HB). Das verhaltene Wirtschaftswachstum in Deutschland ist vor allem auf fehlenden Unternehmergeist zurückzuführen. Zu diesem Ergebnis kommt die jetzt veröffentlichte Global Entrepreneurship Monitor-Studie (GEM), die von Wissenschaftlerteams in den G7-Staaten sowie in Finnland, Schweden und Dänemark erstellt wurde. Den deutschen Teil der international angelegten Untersuchung betreuten Studenten und Dozenten des wirtschafts- und sozialgeographischen Instituts an der Universität Köln.

Während in den USA statistisch betrachtet eine von zwölf Personen ein Unternehmen gründet, ist nach den Ergebnissen der Studie nur jeder 48. Deutsche ein "Entrepreneur". Deutschland bilde damit zusammen mit Finnland, Japan, Frankreich und Dänemark das Schlußlicht bei den Existenz- und Unternehmensgründungen. An der Spitze liegen laut GEM-Untersuchung die Vereinigten Staaten und Kanada.

Als Ursache für die unterschiedliche Verbreitung unternehmerischer Tugenden nennt die Studie vor allem kulturelle Differenzen. In den USA und Kanada seien Unternehmertum und Selbständigkeit ein normaler und weithin akzeptierter Lebensbestandteil. Habe ein Unternehmer dort mit seiner Geschäftsidee Erfolg, sei dies ebenso anerkannt wie ein Mißerfolg, der zur Aufgabe des Unternehmens führt. Ein Scheitern eines jungen Unternehmers gelte sogar als besondere Qualifikation für einen neuen Anlauf. In den anderen Ländern gelte die Tätigkeit als Unternehmer dagegen als "struktureller und kultureller Sonderweg".

Gerade in Deutschland gibt es der Studie zufolge aber auch handfeste politische Gründe, die das Entstehen einer Unternehmerkultur verhinderten. Jungunternehmer und potentielle Gründer fänden sich im Dschungel der öffentlichen Förderprogramme nur schwer zurecht, weil diese intransparent und mit hohem bürokratischem Aufwand verbunden seien. In Deutschland stehe zwar durchaus ausreichend Venture Capital zur Verfügung, es fehle jedoch an "effizienten Mechanismen", dieses Anlagekapital mit der unternehmerischen Nachfrage zusammenzubringen.

Kritisiert wird in der Studie, daß die deutschen Schulen und Universitäten kaum unternehmerisches Denken vermittelten. Dies sei der Hauptgrund dafür, daß weite Teile der Bevölkerung auch bei der Berufswahl Sicherheit höher einschätzten als unternehmerische Selbstentfaltung. Eine "enterprise economy" setze aber nicht nur voraus, daß sich das Image der Unternehmer verbessere. Es müsse darüber hinaus für jeden Erwachsenen völlig normal werden, ein Unternehmen zu gründen, ohne dabei auf staatliche Unterstützung zu schielen.

Gelinge ein solcher kultureller Wandel, sei die deutsche Volkswirtschaft aufgrund der hohen Qualifikation ihrer Arbeitskräfte und der guten Infrastruktur auf die Herausforderungen der Globalisierung ausgezeichnet vorbereitet.

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