Wirtschaft : Zu wenig Wettbewerb, zu hohe Preise

Auf dem deutschen Strommarkt haben die Großen das Sagen

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Berlin (dro). Der Energiekonzern EnBW hat es bereits Ende vergangenen Jahres getan, RWE und Eon tun es jetzt auch – sie erhöhen ihre Strompreise. Durchschnittlich 2,7 Prozent mehr müssen Privatkunden zum 1. Januar 2004 für RWEStrom zahlen, teilte das Düsseldorfer Unternehmen mit. Konkurrent Eon erhöht ebenfalls um etwa 2,7 Prozent. Eon und RWE liegen damit im Trend: 90 Prozent aller Stromversorger in Deutschland haben nach Aussagen des Energieberaters Stromtip um die Jahreswende die Tarife erhöht.

Lothar Wittenberg, Sprecher des Energieministeriums in Nordrhein-Westfalen findet „die Preiserhöhungen von RWE und Eon moderat.“ Seine Behörde hatte die neuen Preise genehmigt. Der Chef des Bundeskartellamtes, Ulf Böge, beobachtet die Entwicklung auf dem Strommarkt hingegen kritisch. Wenn die Unternehmen einerseits die Preise erhöhen, andererseits aber hohe Firmengewinne einstreichen, sollten sich die Landesbehörden Gedanken machen, sagte er dem Tagesspiegel (siehe Interview). Verbraucherschützer protestieren gegen die steigenden Preise auf dem deutschen Strommarkt. Fünf Jahre nach der Liberalisierung seien die alten Monopolpreise nun wieder erreicht, heißt es beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. Das Bundesverbraucherministerium wollte die Strompreiserhöhungen am Mittwoch nicht kommentieren. „Hier haben wir keine Aufsichtskompetenz“, sagte eine Sprecherin.

Behörde soll Wettbewerb ankurbeln

„In Sachen Strom gibt es in Deutschland trotz der Liberalisierung nach wie vor eine monopolistische Versorgungswirtschaft“, sagt Manfred Panitz, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Energie-Abnehmer (VEA). Obwohl es über 1000 Stromversorger gebe, hätten letztlich die vier großen Konzerne RWE, EnBW, Eon und Vattenfall das Sagen. Allein RWE und Eon kontrollierten rund 80 Prozent des Strommarktes. Eine für den Sommer geplante Regulierungsbehörde soll den Wettbewerb auf dem Energiemarkt wieder ankurbeln. „Offenbar wollen die großen Konzerne noch einmal zulangen, bevor die Behörde ihre Arbeit aufnimmt“, erklärt Panitz vom VEA die höheren Strompreise.

RWE, Eon und EnBW hingegen begründen die neuen Preise mit gestiegenen Kosten für importierte Energierohstoffe wie Kohle und Gas sowie dem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien. „Das allein rechtfertigt die derzeitigen Strompreise allerdings nicht“, sagt Stephan Scherfenberg von der Berliner Firma Stromtip. Die Gewinnmargen seien auch ohne eine Preiserhöhung sehr ordentlich. „Ein gutes Beispiel ist das Netznutzungsentgelt, das rund ein Drittel des Strompreises ausmacht“, sagt Scherfenberg.

Das Nutzungsentgelt kassieren die Energieversorger von ihren Kunden für den Ausbau und die Instandhaltung der Stromnetze. Über zehn Milliarden Euro hätten die deutschen Haushaltskunden im vergangenen Jahr allein für die Netznutzung gezahlt, sagt Scherfenberg. „Aber die gesamte Energiebranche hat nur zwei Milliarden davon in das Stromnetz investiert.“ Trotzdem haben sowohl Eon als auch EnBW für 2004 das Netzentgelt weiter erhöht.

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