Zufriedenheitsindex : Was zum Glück nicht fehlen darf

Ökonomen erstellen im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft einen „Zufriedenheitsindex“. Wichtig für das persönliche Glück ist demnach, arbeiten zu dürfen.

Berlin - Mit Bildern von freudetrunkenen Senioren suggerieren Banken ihren Kunden gerne, dass am Ende eines entbehrungsreichen Lebens das Glück wartet, sei es in Form einer Rente oder einer ausgeschütteten Lebensversicherung. Dem Versprechen, dass mehr Wohlstand gleichbedeutend ist mit mehr Glück setzte der Wirtschaftsforscher Ulrich van Suntum am Dienstag eine ebenso simple Formel entgegen: „Der Weg ist das Ziel.“ Glück ist demnach, die Rente zu erarbeiten und nicht so sehr, sie für Reisen oder ein Auto auszugeben.

Van Suntum stellte in Berlin das nach eigenen Angaben erste deutsche Bruttoinlandsprodukt für Glück vor. Die im Auftrag der arbeitgeberfinanzierten Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft erstellte Studie soll klassischen Wohlstandsmaßstäben wie Einkommen oder Vermögen einen Index für Lebenszufriedenheit an die Seite stellen. Van Suntum stützte sich dabei auf Umfrageergebnisse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Was für den einzelnen Arbeitnehmer gilt, trifft der Studie zufolge auf die gesamte Gesellschaft zu: Wirtschaftswachstum ist nicht gleichbedeutend mit mehr Zufriedenheit. Obwohl die Wirtschaftsleistung seit 1991 um rund 20 Prozent gestiegen sei, erklärte van Suntum, seien die Deutschen seitdem nicht glücklicher geworden. Denn wichtiger als die absolute Höhe des Einkommens ist seine Entwicklung. Es müssen also glückliche Zeiten gewesen sein, in den fünfziger Jahren, als Fernseher Luxusprodukte waren, die Menschen aber sicher sein konnten, dass es aufwärts geht.

Auch ganz wichtig für das persönliche Glück ist es van Suntum zufolge, arbeiten zu dürfen, am besten im erlernten Beruf: „Die Betätigung ist ein Wert an sich.“ Bei aller Betriebsamkeit darf jedoch auch die soziale Sicherheit zum Glück nicht fehlen: „Bei steigendem Wohlstand haben die Menschen Angst davor, ihn wieder zu verlieren“, erklärt der Forscher. Bei aller Angst vor dem Abstieg habe die aktuelle Wirtschaftskrise das Glück der Deutschen noch nicht getrübt. Das sei auch einer Politik zu verdanken, die die Auswirkungen der Krise mit Kurzarbeit und Investitionsprogrammen abfedere.

Als „kein Unglück“ bezeichnet van Suntum, dass aus seinem neuen Ansatz keine allzu neuen Schlussfolgerungen hervorgehen: Es müsse nicht unbedingt der Wohlfahrtsstaat sein, auch Wohneigentum könne Sicherheit geben und dürfe ruhig weiter gefördert werden. Um die Menschen in Arbeit zu bringen, seien Ein-Euro-Jobs und Kombilöhne gute Instrumente. Um die Freude am wirtschaftlichen Aufstieg zu bestärken, eigneten sich steuerliche Entlastungen. mco

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