Wirtschaft : Zug, Bus, Flugzeug – so machen es andere

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Besonders großzügig zeigt sich die Bahn bei Verspätungen nicht – aber auch andere Verkehrsunternehmen knausern. Der BahnKonkurrent Connex, der in Deutschland zwei Fernzüge betreibt, gibt einem Sprecher zufolge bei Verspätungen nur Gratis-Getränke aus. Versagt ein Zug völlig den Dienst, sorge man für eine Ersatzbeförderung. Das sei aber ohnehin nur in Ausnahmefällen erforderlich, denn „99 Prozent unserer Züge halten den Fahrplan auf drei Minuten genau ein“.

Davon können Busgesellschaften nur träumen. Bei Unternehmen, die längere Strecken bedienen, ist der Passagier auf Kulanz angewiesen – eine rechtliche Grundlage für Entschädigungen gibt es meist nicht. Eurolines, das Verbindungen von deutschen Städten ins Ausland unterhält, zahlt „im Einzelfall Taxifahrten“, sagt ein Sprecher. Auf langen Strecken seien ansonsten Verspätungen von mehreren Stunden wegen des dichten Verkehrs oft nicht auszuschließen“.

Für Fluggesellschaften gibt es indes seit neuestem eine exakte Regelung für Entschädigungen. Eine Richtlinie der Europäischen Union besagt, dass Passagiere bei Verspätungen von mindestens fünf Stunden ihr Geld zurückverlangen können. Können sie ihre Reise wegen Überbuchungen gar nicht antreten, sind bei Langstreckenflügen 600 Euro Entschädigung zu zahlen. Bei Flügen zwischen 1500 und 3500 Kilometern fallen 400 Euro an, unter 1500 Kilometern sind es 250 Euro.

Bei Eisenbahn-Unternehmen in anderen europäischen Ländern sind Entschädigungen indes vielerorts üblich. Besonders großzügig werden Reisende der Eurostar-Züge zwischen Brüssel und London entschädigt. Bei mehr als 60 Minuten Verspätung erhalten sie eine Freifahrt. Dabei erreichten zwischen Januar und Juni 2003 nur 77 Prozent der Eurostar-Züge ihre Ziele pünktlich oder mit weniger als 15 Minuten Verspätung.

Auch die niederländische Bahn lässt sich Verspätungen etwas kosten: Hat der Zug 30 bis 59 Minuten Verspätung, bekommt der Bahnreisende nach Angaben der Bahnverwaltung in Utrecht die Hälfte des Fahrpreises zurückerstattet. Bei einer Stunde oder mehr winkt vollständige Vergütung.

Bei der französischen SNCF beginnt die Entschädigung bei mehr als einer halben Stunde Verspätung: Sie zahlt ihren Kunden dann 30 Prozent des Fahrpreises zurück. 2003 kamen rund 91,2 Prozent der Fernzüge mit weniger als zehn Minuten Verspätung an. brö/dpa

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