Wirtschaft : Zugeständnisse an EU-Kommission gemacht - Klaus Esser verlässt den Konzern

Nach der Übernahme der Mannesmann AG durch die britische Vodafone Airtouch wird Mannesmann-Chef Klaus Esser das Unternehmen entgegen ersten Ankündigungen ganz verlassen. Der 52-Jährige begründete dies in einem Zeitungsinterview mit der Haltung von Vodafone-Chef Chris Gent, der eine dauerhafte Mitwirkung Essers in der neuen Gesellschaft ablehne. "Deshalb werde ich nicht bleiben, sondern nach der Trennung von Telekommunikation und Engineering/Automotive in einigen Monaten bei Mannesmann ausscheiden", sagte Esser der Zeitung "Die Welt". In der neuen Firmengruppe namens Vodafone-Airtouch sollte Esser zunächst die bereits von ihm selbst geplante Aufspaltung in die Telekomsparte sowie andere Aktivitäten des Mannesmann-Konzerns vorbereiten. Anschließend war der Deutsche für den Posten eines stellvertretenden Verwaltungsratschefs vorgesehen gewesen. Aus dem Tagesgeschäft hätte sich Esser ohnehin zurückziehen sollen. Esser betonte, die Mannesmann-Vorstände hätten die jetzt beschlossene Fusion empfohlen "und ziehen natürlich voll mit". Dabei werde die Firmenspitze darauf achten, "dass alles so zügig und reibungslos integriert wird wie möglich". Arbeitsplätze seien indes bei Mannesmann "nie gefährdet gewesen; dieses Risiko können wir klar ausschließen".

Vodafone teilte unterdessen mit, der Mobilfunkkonzern habe aus steuerlichen Gründen vorübergehend Mannesmann-Anteile im Milliardenwert verkauft, um sie wieder zu übernehmen. Vodafone habe seinen gesamten Bestand von 2 344 324 Mannesmann-Aktien oder 0,45 Prozent des Düsseldorfer Konzerns am vergangenen Freitag zunächst abgestoßen. Damit sollte die Wahrscheinlichkeit erhöht werden, dass Vodafone Airtouch im Zuge seiner Übernahmeofferte mindestens 80 Prozent von Mannesmann angeboten werden. Eine solche Zustimmungsquote zählt zu den wesentlichen Bedingungen für eine Steuerfreiheit des Vorhabens in den USA. Vodafone teilte den finanziellen Umfang der Transaktion nicht mit; gemessen am Schlusskurs der Mannesmann-Aktie vom Freitag waren die Anteile fast 1,48 Milliarden Mark (knapp 755 Millionen Euro) wert.

Nach ihrer gütlichen Einigung haben Vodafone und Mannesmann der EU-Kommission Zugeständnisse angeboten. Diese betreffen die Mannesmann-Tochter Orange, bestätigten Kommissionskreise am Dienstag in Brüssel. Die Brüsseler Prüfungsfrist sei um knapp zwei Wochen auf den 28. Februar verlängert worden. Seit Mitte Januar läuft bei den EU-Wettbewerbshütern eine Standardprüfung des Falles. Nähere Details zu den Angeboten bei Orange wurden zunächst nicht bekannt. Die Kommission hatte bereits bei Verfahrenseröffnung Bedenken geltend gemacht, auf dem britischen Mobilfunkmarkt könnte es wegen Orange zu einer Marktüberlappung kommen.

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