Wirtschaft : Zughersteller jammern – trotz Rekords Bahnindustrie will mehr Schienen-Investitionen

Berlin - Die Bundesregierung investiert nach Ansicht der Bahnindustrie zu wenig in das Gleisnetz. Im ersten Halbjahr seien die Bestellungen für Weichen, Signale und Schwellen um 14 Prozent zurückgegangen, die Ausgaben des Staatskonzerns Deutsche Bahn lägen zehn Prozent unter Plan, sagte Klaus Baur, Präsident der deutschen Bahnindustrie, am Dienstag in Berlin. Damit sei er „überhaupt nicht zufrieden“. Das durchschnittliche Alter der Schienen wachse weiter, „damit leidet die Effizienz des Schienenverkehrs deutlich“, bemängelte er, der auch das Deutschland-Geschäft von Bombardier leitet. Für den Ausbau des Netzes, das zur Bewältigung der wachsenden Güterströme nötig sei, fehlten pro Jahr 600 Millionen Euro. Deutschland müsse „das Schaufenster für moderne Bahntechnik bleiben“, wolle es seine weltweite Spitzenstellung behaupten.

Zwar nahmen die Bahn-Firmen im ersten Halbjahr 5,5 Milliarden Euro ein, das waren 12,2 Prozent mehr Geld als im Vorjahr und so viel wie noch nie. Der Wert der neuen Aufträge stieg aber nur um 2,1 Prozent. Dies lasse „noch nicht erkennen, ob damit die Trendwende geschafft ist“, gab sich Baur skeptisch. Vor allem dem deutschen Markt fehle es an Dynamik, etwa im Güterverkehr. Die Branche reagiert nur mit Verzögerung auf konjunkturelle Signale, da die öffentliche Hand im In- und Ausland ein wichtiger Kunde ist. Derzeit sind 45 600 Menschen in den Betrieben hierzulande beschäftigt. Die Zahl ist trotz der Krise stabil geblieben.

Zunehmend an Bedeutung gewinnen für die Industrie die Aufträge aus dem Ausland, die mittlerweile mehr als die Hälfte der Bestellungen ausmachen. Sie legten im ersten Halbjahr um fast ein Drittel zu. Für die kommenden Jahre erwartet die Industrie ein weiteres Wachstum, vor allem in Asien. brö

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