Wirtschaft : Zukäufe belasten den Gewinn der Metro

KÖLN (dpa/AP/AFP).Der größte europäische Handelskonzern Metro sieht sich trotz eines zweistelligen Gewinnrückgangs 1997 für die Zukunft gut positioniert.Die Umsatzrendite solle sich in drei Jahren von 1,6 auf drei Prozent fast verdoppeln, sagte der Metro-Vorstandssprecher Klaus Wiegandt am Dienstag bei der Bilanzvorlage in Köln.1997 seien mit dem Verkauf von Verlustbringern und Randaktivitäten sowie der stärkeren Internationalisierung des Geschäfts "entscheidende Fortschritte" erzielt worden.Metro sei für den europäischen Wettbewerb nunmehr "gut gerüstet".

Metro hat im vergangenen Jahr deutlich weniger verdient.Trotz einer Umsatzausweitung im Konzern von 3,4 Prozent auf 64,13 Mrd.DM sank das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit um 12,4 Prozent auf 930 Mill.DM.Der Konzernjahresüberschuß schrumpfte um 13,1 Prozent auf 623 (Vorjahr 717) Mill.DM.Dennoch sollen die Aktionäre eine leicht erhöhte Dividende von zwei (Vorjahr: 1,67) DM auf Stamm- und 2,11 (1,77) DM auf Vorzugsaktien erhalten.Bedingt durch die im Juli 1997 vorgenommene Kapitalerhöhung steigt die Ausschüttungssumme von 403 Mill.auf 490 Mill.DM.Wiegandt kündigte zugleich an, daß in den nächsten Wochen die Emission einer Wandelanleihe im Volumen von ein bis zwei Mrd.DM geplant sei, um kurzfristige andere Kredite abzulösen.

Den Gewinnrückgang begründete der Konzernchef vor allem mit den Anlaufverlusten der Internationalisierung, die er mit mehr als 100 Mill.DM bezifferte.Ausgebaut wurde vor allem die Präsenz in Osteuropa.Metro hat sich 1997 in Polen, Rumänien, Ungarn und der Türkei mehr als 150 großflächige Standorte gesichert.In Polen habe man sich trotz massiver Konkurrenz als Marktführer etabliert, hieß es.Damit und mit dem Kauf des europäischen Cash & Carry-Geschäftes der niederländischen Makro-Gruppe Ende 1997 werde der Auslandsumsatz 1998 auf mehr als 30 Prozent klettern.Die Metro AG will 1998 im Ausland 34 Mrd.DM umsetzen.In den weiteren Ausbau und die Restrukturierung des Geschäftes sollen allein 1998 vier Mrd.DM investiert werden.

Pläne zu weiteren Übernahmen in Deutschland gebe es derzeit nicht, sagte Wiegandt.Dennoch werde das bestehende Portfolio laufend überprüft und gegebenenfalls durch Unternehmenszu- oder -verkäufe angepaßt.Die Entscheidung des Bundeskartellamts zur Übernahme der allkauf-Gruppe erwartet Wiegandt Anfang Juli.Er rechnet mit einer Genehmigung mit eventuellen Auflagen zu "Entflechtungen" in manchen Regionen.Metro gehören neben den Metro-Großmärkten unter anderem Kaufhof, Horten, Saturn, Media Markt, Praktiker- Baumärkte und Vobis.

In den ersten vier Monaten 1998 setzte Metro wegen des guten Ostergeschäftes ein Prozent mehr um als ein Jahr zuvor.Außer in der Lebensmittelsparte sei es in großen Teilen gelungen, die Mehrwertsteuererhöhung von einem Prozent auf die Kunden abzuwälzen.Zwar gebe es Anzeichen für eine Konsumbelebung, jedoch seien die Verbraucher vor der Bundestagswahl im Herbst insgesamt zurückhaltend.Um sich besser auf verkaufsstarke Zeiten einstellen zu können, will der Konzern die Mitarbeiter flexibler einsetzen und Jahresarbeitskonten einrichten.1997 hatte der Konzern im Durchschnitt 128 700 Mitarbeiter, vier Prozent weniger als 1996.

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