Zukunft des Autos : Daimler für Strafsteuer auf Spritschlucker

Die Grünen haben mit Daimler und VW über die Zukunft der Autoindustrie diskutiert. Dabei waren die Manager erstaunlich selbstkritisch.

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Hier würde ein Malus fällig: Mercedes-AMG GLC 63 S Coupé mit 510 PS.
Hier würde ein Malus fällig: Mercedes-AMG GLC 63 S Coupé mit 510 PS.Foto: Daimler AG/dpa-tmn

Überraschender Konsens beim Autogipfel der Grünen: Wilko Stark von Daimler sagte am Mittwoch in Berlin, sein Konzern hätte „kein Problem damit“, wenn der Gesetzgeber ein Bonus-Malus-System in der Kfz-Steuer einführen würde. „In Frankreich, Großbritannien oder den Niederlanden ist dieses System viel ausgeprägter als in Deutschland“, sagte Stark.

Damit unterstützt Daimler eine zentrale Forderung aus dem Papier „Clean Car Roadmap“ der Grünen, das die Bundestagsfraktion mit Blick auf die Bundestagswahl Ende September und die nächste Legislaturperiode erarbeitet hat. Das Bonus-Malus-System sieht vor, dass „klimaschädliche Spritschlucker wie die SUVs“ mit einer deutlich höheren Kfz-Steuer als heute belastet werden. Auf der anderen Seite soll es für emissionsfreie E-Autos eine Steuergutschrift geben, die den Kostennachteil gegenüber einem vergleichbaren Auto mit Verbrennungsmotor aufwiegt (zurzeit mindestens 5000 Euro).

Elektrische Lieferwagen nicht nur für die Post

Während Daimler mit SUVs noch sehr viel Geld verdient und eigentlich kein Interesse an einem Malus haben kann, kommt die Unterstützung von Streetscooter weniger überraschend. Diese Ausgründung aus der RWTH Aachen wurde von der Deutschen Post DHL gekauft und stellt elektrische Lieferwagen her, die jetzt auch an andere Unternehmen vertrieben werden. Gründer und Leiter Achim Kampker, auch noch Professor an der RWTH, sagte: „Ein Bonus-Malus-System würde unserer Flotte und der Elektrifizierung des Lieferverkehrs enorm helfen.“ 

Die Abrechnung des VW-Cheflobbyisten mit der eigenen Branche

Der Cheflobbyist von Volkswagen, Thomas Steg, forderte die deutsche Industrie auf, bei der nächsten Generation von Batteriezellen „vorne zu sein“. Bei den heutigen Lithium-Ionen-Zellen seien Japan, China und Südkorea „uneinholbar“. Eine Fabrik für Batteriezellen in Deutschland würde aber vier bis fünf Milliarden Euro kosten. Da stelle sich die Frage: „Macht das ein Hersteller alleine oder ein Konsortium?“

Steg, früher stellvertretender Regierungssprecher für Gerhard Schröder und Angela Merkel, räumte ein, dass VW und die ganze Autoindustrie in einer „tiefen Glaubwürdigkeitskrise“ steckten. Sie hätten aber ein vitales Interesse daran, den Einstieg in die Mobilität der Zukunft zu schaffen. „Das ist eine Frage des Überlebens.“

Fehleinschätzungen der Top-Manager

Steg legte auch die „Fehleinschätzungen“ des VW-Konzerns offen: Die Manager seien davon ausgegangen, dass E-Autos so aussehen sollten wir konventionelle Wagen. Deshalb hätten sie den E-Golf und den E-up gebaut. „Das war falsch“, sagte Steg. E-Autos müssten anders konzipiert werden, das werde VW 2018 mit neuen Modellen zeigen.

Außerdem habe VW mit E-Autos in der Kleinwagen- und Kompaktklasse angefangen. Tesla dagegen sei in der Oberklasse eingestiegen und arbeite sich von oben nach unten vor. Das sei der richtige Weg. Bei kleinen Autos schlage der Aufpreis für die E-Technik so stark zu Buche, dass die Wagen schwer zu verkaufen seien.  

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