Wirtschaft : Zukunft des Spielzeugs: Contra - Warum Harald Martenstein seinem Sohn kein Holzspielzeug schenkt

Was Spielzeug angeht, ist unsereins ultrakonsequenter Neoliberaler. Der Markt soll es entscheiden. Der Kunde möge König sein! Nieder mit Protektionismus, Dirigismus und all diesem Teufelszeug. Ausgenommen sind selbstverständlich Spielsachen, die dem Kind schaden könnten. Deswegen finden weder Horrorvideos noch Klappmesser noch Uranspielzeug den Weg in unser Kinderzimmer.

Die meisten Kinder mögen Holzspielzeug nicht sonderlich. Außer, wenn sie ganz klein sind und den Unterschied nicht mitkriegen. Was haben die etwas größeren Kinder gegen Holzspielzeug? Es ist ihnen einfach nicht realistisch genug. Und gleichzeitig ist es zu realistisch - so sonderbar es klingt. Ein Feuerwehrauto zum Beispiel. Kinder finden schnell heraus, dass ein Feuerwehrauto aus Plastik oder Blech dem wirklichen Auto näher kommt als so ein Holzding. Das Holzding ist zu plump. Vielleicht fasst es sich besser an. Aber ein Feuerwehrauto hat nicht den Sinn, dass es sich gut anfassen lässt, zum Streicheln sind schließlich die Kuscheltiere da! Andererseits haben Kinder diese unerschöpfliche Fantasie, die es ihnen möglich macht, jeden Legostein ruckzuck zum Feuerwehrauto zu erklären und stundenlang damit im Zimmer hin und her zu düsen. Manchmal ist es prima, wenn ein Auto nicht wie ein Auto aussieht. Holzspielzeug ist irgendwie dazwischen, weder richtig ähnlich noch richtig unähnlich. Außerdem - wieso soll Holz schöner sein als Plastik? Ach so, die Erwachsenen finden das! Na, dann sollen sich die Erwachsenen eben Holzspielzeug kaufen. Holzbücher, Holzfernseher und natürlich einen Holzcomputer! Die Kinderkunden möchten es anders.

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