Wirtschaft : Zukunft von Opel in Bochum ist wieder offen

Belegschaft lehnt Kompromiss für den Standort ab / Dissens mit der IG Metall über die Zukunftschancen des Werkes.

76,1 Prozent der Gewerkschafter sprachen sich gegen den Tarifvertrag aus. Foto: dpa
76,1 Prozent der Gewerkschafter sprachen sich gegen den Tarifvertrag aus. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin / Bochum - Paukenschlag bei Opel in Bochum: Die Beschäftigten haben am Donnerstag den Sanierungsplan für den angeschlagenen Autobauer mit klarer Mehrheit abgelehnt. Damit haben sie Nein zum Aus für die Autofertigung in Bochum Ende 2016 gesagt. Jetzt droht das Ende der Autoproduktion bereits Ende kommenden Jahres. Opel-Aufsichtsratschef Steve Girsky hatte angekündigt, die Fertigung in Bochum zum 1. Januar 2015 komplett einzustellen, falls es keine Einigung mit den Beschäftigten geben sollte. Weitere Verhandlungen über den vorliegenden Sanierungs-Tarifvertrag lehnte das Unternehmen in einer Stellungnahme ab.

Die Gewerkschaftsmitglieder sprachen sich nach Angaben der IG Metall mit 76,1 Prozent der abgegebenen Stimmen gegen den Tarifvertrag aus. Sie folgten damit ihrem Betriebsrat, der den Sanierungsplan abgelehnt hatte. Mit dem zwischen Gewerkschaft und Unternehmen in mühsamen Verhandlungen erzielten Tarifvertrag sollte das Aus für die Fahrzeugproduktion um zwei Jahre verschoben werden. Nach 2016 sollten in Bochum noch eine Teilefertigung und ein Ersatzteillager mit zusammen 1200 Arbeitsplätzen bleiben. Derzeit hat Opel dort noch 3200 direkt beim Unternehmen beschäftigte Mitarbeiter.

„Wir bedauern sehr, dass die Beschäftigten in Bochum ein attraktives Angebot nicht angenommen haben“, erklärte Werkleiter Manfred Gellrich. Eine große Chance sei vertan worden. Nach der Entscheidung werde es keine weiteren Verhandlungen zum vorliegenden Tarifvertrag geben. „Die Zafira Tourer Produktion und der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen werden Ende 2014 auslaufen.“ „Das Votum ist eindeutig“, kommentierte der Bezirkschef der IG Metall in NRW, Knut Giesler, das Ergebnis am Abend. Die Gewerkschaft werde den Tarifvertrag für den Standort Bochum nicht unterschreiben. Die Zusagen des Unternehmens seien den meisten Mitarbeiter zu vage. „Ich kann gut verstehen, dass sich die Menschen mit einem Auslaufen der Autoproduktion in Bochum und betriebsbedingten Kündigungen nicht abfinden wollen.“ Die IG Metall, der Betriebsrat und Opel müssten sich nun über weitere Schritte abstimmen.

Betriebsrat und IG Metall waren sich bei der Beurteilung desSanierungsplans nicht einig. Betriebsratschef Rainer Ein– enkel reichten die Zusagen für die Ersatzarbeitsplätze nicht. Die Gewerkschaft betonte, mehr sei in den Verhandlungen nicht herauszuholen gewesen. Die Gegensätze waren nach Angaben von Teilnehmern bei zwei Belegschaftsversammlungen deutlich geworden. Einenkel hält das mögliche Ende der Autoproduktion schon 2014 für eine leere Drohung. Eine Verlagerung sei „aufgrund hoher Investitionen und fehlender Fachkompetenz in anderen Werken unsinnig“.

Die IG-Metall-Mitglieder an den anderen deutschen Opel-Standorten hatten den Tarifvertrag bereits mit großer Mehrheit angenommen. Sie haben damit unter anderem akzeptiert, dass Tariferhöhungen weiter gestundet werden. Im Gegenzug verlängert Opel den Kündigungsschutz um zwei Jahre bis Ende 2016. Ein Nein in Bochum hat darauf keine Auswirkungen. Wie Opel weiter mitteilte, ist die Entwicklungsgesellschaft „Bochum Perspektive 2022“, in die Opel investiere, von der Entscheidung nicht betroffen. „Ziel der Initiative ist es, neue Unternehmen und Technologien in Bochum und der Region anzusiedeln“, hieß es. dpa

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