Wirtschaft : Zukunftsperspektiven für die Landwirtschaft

BERLIN (chi).Ist die Agenda 2000 und die Reform der europäischen Agrarpolitik der deutschen Bauern tot? Glaubt man den einschlägigen Schlachtrufen der Lobbyisten, dann ist das der Fall.Doch an der Basis ist man offenbar optimistischer."Untergangsprognosen hat es bei jedem Reformschritt der EU-Agrarpolitik gegeben.Die Landwirte haben sich aber immer wieder angepaßt - und das wird auch diesmal geschehen", sagte Philip Freiherr von dem Bussche, Präsident der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG), am Mittwoch in Berlin.Freilich: Arbeitsplätze würden wegfallen, doch es könnten auch neue entstehen.

Von dem Bussche prognostizierte für die nahe Zukunft eine klare Zweiteilung in der Landwirtschaft.Auf der einen Seite große Rohstoffproduzenten, die sich auf einem zunehmend liberalisierten Weltmarkt behaupten und zu entsprechenden Preisen liefern müssen.Die nun bevorstehende Verhandlungsrunde der Welthandelsorganisation (WTO) über eine weitere Liberalisierung des Welthandels werde den Trend zur Globalisierung auch für die Landwirtschaft verstärken, sagte der DLG-Präsident.Die europäischen Betriebe könnten sich dem nicht entziehen.Wer auf dem Weltmarkt mitmischen wolle, müsse die Kostenführerschaft anstreben.Das bedeute aber Zwang zu Kostenreduzierung und größeren Einheiten.Auf der anderen Seite aber öffne dies breiten Raum für "Nischenproduzenten" in der Belieferung regionaler Märkte und der Spezialisierung auf hochwertigere Produkte, wo sich auch höhere Preise erzielen ließen.Den Verbrauchern werde dies auch eine größere Vielfalt im Nahrungsmittelangebot bringen.Auf der Strecke, so Bussche, würden Betriebe "in der Mitte" bleiben, "die sich nicht für den einen oder den anderen Weg entscheiden können".

Grundlage der Prognose ist die Studie "Landwirtschaft 2010", die die DLG bei ihrer traditionellen Wintertagung kommende Woche in Berlin zur Diskussion stellen wird.Der Studie zufolge steht den Landwirten ein deutlicher Strukturwandel bevor: der Arbeitseinsatz je Produktionseinheit, der in den vergangenen 20 Jahren um 25 Prozent zurückging, wird sich bis 2010 weiter halbieren.Der Preisdruck wird trotz Bevölkerungswachstums weltweit bestehen bleiben.Zugleich wird sich der Trend zu Zusammenschlüssen verstärken, sowohl zwischen Landwirten, als auch zwischen Produktions-, Verarbeitungs- und Handelsbetrieben.

Der DLG-Präsident, selbst Landwirt in Niedersachsen, sieht dabei durchaus gute Chancen für deutsche Betriebe.Auf Ebene der Rohstoff-Lieferanten hätten die Schweinezüchter schon heute eine gute Position auf dem Weltmarkt, der Kostennachteil gegenüber der US-Konkurrenz läge nur noch bei 20 Prozent.Auch bei der Pflanzenproduktion sei man auf gutem Weg, vor allem ostdeutsche Ackerbaubetriebe zählten zu den "Besten in Europa".Daneben aber biete auch die Spezialisierung gute Perspektiven: Schließlich hätten die Betriebe den großen und voraussichtlich kaufkräftigen deutschen Markt vor der Haustür.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben