Zukunftsstrategie : Herlitz hofft auf Osteuropa

Der Berliner Büroartikelhersteller Herlitz will sich wieder stärker auf die eigene Marke besinnen und sie in den nächsten Jahren auch durch Zukäufe stärken.

Maren Peters

BerlinDer Berliner Büroartikelhersteller Herlitz will sich wieder stärker auf die eigene Marke besinnen und sie in den nächsten Jahren auch durch Zukäufe stärken. „Wir prüfen derzeit gezielt Akquisitionen“, sagte der neue Vorstandschef Jan von Schuckmann am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Berlin. Details nannte er nicht. Ein Schwerpunkt des Wachstums soll in Mittel- und Osteuropa liegen, wo Herlitz einmal mindestens die Hälfte der Markenumsätze erzielen will. Derzeit sind es 37 Prozent.

Es war der erste öffentliche Auftritt für von Schuckmann als Vorstandschef. Am 10. Mai hatte das Berliner Traditionsunternehmen überraschend bekannt gegeben, dass sein Vorgänger Jan Van Riet nach nur eineinhalb Jahren an der Spitze das Unternehmen verlässt, um seinem bisherigen Finanzvorstand Platz zu machen. Van Riet habe die Neuausrichtung des Geschäfts vorzeitig erfolgreich beendet, hieß es offiziell zur Begründung. In informierten Kreisen klang das anders: Danach musste Van Riet gehen, weil der Aufsichtsrat und der Großaktionär Advent, der 65 Prozent der Aktien hält, ein klares Konzept für die Zukunft vermissten. Auch die Zahlen, die Van Riet für 2006 vorlegte, waren nur mittelprächtig. Das Unternehmen, das 2002 Insolvenz anmelden musste, hatte zwar einen Überschuss von 610 000 Euro erwirtschaftet, nach einem Verlust von 4,6 Millionen Euro im Vorjahr. Der Umsatz schrumpfte aber um gut neun Prozent auf 308 Millionen Euro. Die Mitarbeiterzahl sank um 247 auf gut 2400.

Auch in den ersten Monaten 2007 fiel das Ergebnis vor Zinsen und Steuern noch negativ aus – saisonbedingt, wie es hieß.

Eine ausführlichere Begründung für den Vorstandswechsel lieferte Aufsichtsratschef Georg Domizlaff gestern nach. „Van Riet hat einen strategischen Maßnahmenkatalog vorgelegt, der den Aufsichtsrat und einige leitende Mitarbeiter nicht überzeugen konnte.“ Es sei nicht möglich gewesen, die Auffassungen in Einklang zu bringen, sagte Domizlaff, den die Aktionäre im Amt bestätigten. Das Kontrollgremium, das künftig nur noch aus drei statt bisher sechs Mitgliedern bestehen soll, habe deshalb die Zielerreichung und den Zeitplan gefährdet gesehen. Um welche Ziele und welchen Zeitplan es ging, behielt Domizlaff trotz Nachfragen der Aktionäre für sich. Die nahmen es aber nicht krumm und entlasteten Aufsichtsrat und Vorstand später mit fast 100-prozentiger Mehrheit.

Die Anteilseigner übten sich insgesamt in Zurückhaltung, ohnehin war das Interesse mäßig, gerade 292 Aktionäre hatten den Weg ins ICC gefunden. Die neue Strategie nehme er „mit Wohlwollen“ zur Kenntnis, sagte Malte Diesselhorst von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, konstatierte aber auch: „Herlitz fährt nach wie vor in schwierigen Fahrwassern.“ Lars Labriga von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger lobte die individuelle Ausweisung der Vorstandsgehälter im Geschäftsbericht 2006. Danach erhielt Van Riet insgesamt 455 000 Euro, von Schuckmann bekam 303 000 Euro und Ex-Aufsichtsratschef Dietrich Groth 668 000 Euro, inklusive einer Abfindung von 365 000 Euro. Die Vergütung liege „im Rahmen, wenn man davon ausgeht, dass die Erträge noch steigen“, meinte Labriga. Maren Peters

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