Wirtschaft : Zum Abgewöhnen

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Von Anselm Waldermann

Dass die Zigarettenindustrie laut aufschreit, wenn die Tabaksteuer steigt, verwundert wenig – schließlich ist das der Job von Lobbyisten. Dass die Branche auf die Steuererhöhung aber mit eigenen Preiserhöhungen reagieren will, mutet geradezu grotesk an. Der Verband der Cigarettenindustrie hatte damit gedroht, dass die Hersteller bei den Steuererhöhungen 2004 und 2005 selbst jeweils noch zehn Cent je Packung draufschlagen werden. Zum einen scheint dabei eine gehörige Portion Trotz mitzuspielen – immerhin haben es die Branchenvertreter offensichtlich nicht geschafft, die politischen Entscheidungsträger in ihrem Sinne zu beeinflussen. Zum anderen entlarven sich die Tabakhersteller mit den angekündigten Preiserhöhungen selbst. Bisher argumentierten sie immer, der Staat könne seine Einnahmen über eine Anhebung der Tabaksteuer nicht steigern. Denn dadurch sinke der Absatz so stark, dass das Steueraufkommen zurückgehe. Nun jedoch wenden auch die Hersteller die Logik des Fiskus an: Indem sie trotz eines zu erwartenden rückläufigen Absatzes Preiserhöhungen ins Gespräch bringen, tun sie das Gleiche wie der Staat. Der eine erhöht die Steuern, um seine Einnahmen zu steigern, die anderen erhöhen die Preise, um ihre Gewinne zu halten. Von Mindereinnahmen ist nicht mehr die Rede. Doch die Raucher werden auf Preiserhöhungen genauso reagieren wie auf Steuererhöhungen. Sie suchen nach anderen, nicht immer legalen, Möglichkeiten, an ihre Glimmstängel zu kommen: Sie bestellen ausländische Zigaretten im Internet, oder sie fahren über die Grenze nach Polen, Tschechien und Holland, wo Kippen günstiger zu haben sind. In Zukunft wird dieser Trend noch zunehmen. Nur die Raucher, die im Landesinneren wohnen und die das Internet nicht nutzen können, sind die Dummen. Ihnen bleibt vermutlich nichts anderes übrig, als sich ihre Sucht abzugewöhnen.

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