Wirtschaft : Zum Jubiläum glänzende Perspektiven für Porsche

STUTTGART .Ein Schatten liegt über den Feiern am Wochenende.Einer wird fehlen: Ferdinand "Ferry" Porsche, der geistige Vater des "Porsche".Der frühere Firmenchef und Aufsichtsratsvorsitzende der Stuttgarter Dr.Ing.h.c.F.Porsche AG starb im März im Alter von 88 Jahren.Porsche konnte den Aufschwung, den das Unternehmen seit Mitte der 90er Jahre nahm, noch miterleben.Die Perspektiven sehen für den letzten verbliebenen Kleinserienhersteller von Automobilen in den nächsten Jahren sehr gut aus.Die Analysten prognostizieren allein für das im Juli zu Ende gehende Geschäftsjahr Umsatzplus von 20 Prozent auf rund 5 Mrd.DM und eine Verdopplung des Vorsteuerergebnisses auf rund 320 Mill.DM.

Für die kommenden Jahre sind die Analysten noch optimistischer: Keine Kapazitätsengpässe mehr bei den Zulieferern, die Zusatzfertigung des Boxsters beim finnischen Autohersteller Valmet läuft auf hohen Touren, und das zweite neue Modell, der neue 911er, ist voll angelaufen.Die Börse honoriert die Entwicklung.Der Kurs der Porsche-Vorzugsaktie hat sich in den vergangenen zwölf Monaten mehr als verdoppelt.Nur noch wenig erinnert an die Krisenzeiten Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre, als ständig neue Verkaufsgerüchte kursierten.

Nicht nur der Absturz des Dollars und die Abhängigkeit vom US-Markt führten in die Krise.Ein weiterer Grund war die verfehlte Modellpolitik.Kein Wunder, daß sich zwischen Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre das Personalkarussell rasant drehte.Erst dem heutigen Vorstandschef Wendelin Wiedeking gelang die Wende.Sein Vorgänger Arno Bohn war zudem in die damaligen Streitigkeiten zwischen den Eigentümerfamilien Piëch und Porsche geraten.Konsequenz: Seit 1993 moderiert als erster familienfremder Aufsichtsratschef Ex-Henkel-Chef Helmut Sihler das Kontrollgremium.

Allerdings hielt die Familie, die alle Stammaktien besitzt, in den Krisenjahren zu ihrem Unternehmen.Sie verzichtete auf Dividenden und zog bei der Kapitalerhöhung 1994 mit.Wie aus damaligen Berichten hervorgeht, verkauften die Familienaktionäre dazu große Teile ihrer Vorzugsaktien..Die Kapitalerhöhung machte zusammen mit den Reserven einen letzten Wurf möglich.Porsche konnte trotz der hohen Verluste rund 1,5 Mrd.DM in die neuen Modellreihen Boxster und neuer 911er stecken.Erleichtert hat den Familieneigentümern das Festhalten an Porsche sicherlich, daß sie auch Anteilseigner beim unabhängig geführten Salzburger Handelshaus Porsche Holding oHG sind - das größte private Unternehmen Österreichs.Die Banken hätten sich damals "dezent" von Porsche abgewandt, sagte Porsche-Chef Wiedeking in seiner Rede bei der Trauerfeier für "Ferry" Porsche im März.

Wiedeking, seit 1991 als Vorstandsmitglied für Produktion und Materialwirtschaft zuständig, war 1992 zunächst Vorstandssprecher geworden.Er stellte den traditionsreichen Autobauer erfolgreich völlig auf den Kopf, was allerdings viele Arbeitsplätze kostete.Dazu holte er sich japanische Experten ins Haus, mit deren Hilfe er die Durchlaufzeiten in der Produktion halbierte.Die Kosten wurden so deutlich gedrückt, daß Porsche nach Analystenschätzungen mit einem Dollarkurs von 1,35 DM leben kann.Ein wichtiger Risikopuffer, denn auf dem US-Markt werden inzwischen wieder rund 40 Prozent der Fahrzeuge abgesetzt und damit mehr als die ursprünglich angepeilte Obergrenze von 30 Prozent.

Zudem stößt Porsche mit dem künftigen Geländewagen in neue Märkte vor und reduziert die Abhängigkeit vom Sportwagensegement.Dazu hat sich Porsche mit Volkswagen zusammengetan.Eine Kapitalbeteiligung von VW ist nicht geplant.Die umfangreiche Entwicklungstätigkeit, die Porsche in seinem Zentrum in Weissach für die gesamte Automobilindustrie betreibt, ist nur als unabhängiges Unternehmen möglich, betonte Wolfgang Porsche als Sprecher des Porsche-Clans erst vor kurzem.Auf der Jubiläumsfeier am Freitag abend blieb auch Firmenchef Wiedeking auf Kurs: "Wir wollen auch in Zukunft als kleinster selbständiger Autohersteller im weltweiten Konzernt der Großen mitspielen."ANDREA JOCHAM

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