Wirtschaft : Zum Zahnarzt nach Ungarn oder Spanien

Ausländische Ärzte behandeln zu Discount-Preisen

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Wegen der hohen Kosten des deutschen Gesundheitssystems denken viele Menschen über eine günstigere Behandlung im Ausland nach. Dagegen sprechen die Unsicherheit über die Behandlungsqualität und Bedenken wegen sprachlicher Barrieren. Daher werden beim Krankenkassentourismus den Versicherern zufolge keine großen Summen umgesetzt. Doch für den einzelnen kann es sich schon lohnen, einen Zahnarzt auf Mallorca oder in Ungarn aufzusuchen.

„Endlich kann ich so arbeiten, wie ich es mir immer gewünscht habe“, sagt Zahnarzt Frank Kannmann. „Bei 40 bis 50 Patienten im Monat finde ich die Zeit, mich mit jedem in Ruhe zu befassen.“ Der Dentist hat seine Praxis nach 15 Jahren Erfahrung in Deutschland ins westungarische Mosonmagyaróvár verlegt, 70 km südlich von Wien ( www.deutsche-zanharztpraxis.hu ). Wegen der niedrigen Personalkosten kann er unschlagbare Preise bieten: So kostet eine Gold-Keramik Zahnkrone in Deutschland mindestens etwa 340 Euro, in Ungarn 200 Euro. Ein Implantat schlägt in Deutschland mit 1000 bis 1500 Euro zu Buche, Zahnarzt Kannmann verlangt 581 Euro. Bei umfangreichen Zahnrenovierungen lohnt sich die weite Anreise.

Wer ins Ausland fährt, um sich medizinisch behandeln zu lassen, sollte sich vorher bei der Versicherung erkundigen, ob sie bereit ist, ihren Kostenanteil zu übernehmen. Wer privat versichert ist, hat in der Regel keine Probleme. Kunden einer gesetzlichen Kasse müssen aushandeln, ob diese einer Auslandsbehandlung zustimmt.

Wegen der unschlagbaren Preise hat sich die ungarische Grenzregion zu Österreich zum Touristenort für Zahnpatienten aus der ganzen Welt entwickelt. Auf 25 000 Einwohner kommen 256 Zahnarztpraxen. Viele bieten Behandlung auf deutschem Niveau. Doch Zahnarzt Frank Kannmann hat unter den Kollegen auch schwarze Schafe ausgemacht, die „unwarscheinlich viel Schrott produzieren“. Patienten, die sich nach einem halben Jahr über bröckelnde Brücken beschweren wollen, müssen feststellen, dass es die behandelnde Praxis gar nicht mehr gibt.

Zuletzt hat der Zahn-Grenzverkehr eine neue Dimension gewonnen, wie das ZDF-Magazin „Frontal 21“ recherchiert hat: Deutsche Zahnärzte lassen ihre Arbeiten in billigen ungarischen Labors erledigen und rechnen dann deutsche Preise ab. Die Krankenkassen finden das gar nicht komisch. avi

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