Wirtschaft : Zunder um den Zander

Die Netze sind leerer und die Kosten steigen – die Sorgen der Fischer

Anne Hansen

Über einen Fischer soll geschrieben werden? „Ach, du grüne Neune“, sagt Norbert Ohlhöft und schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. „Ich dachte, man will in der Zeitung auch mal was Positives lesen?“ Die Worte Fischer und positiv würden nämlich ganz und gar nicht zusammenpassen. Ein Trauerspiel sei das doch alles.

Norbert Ohlhöft ist seit über 30 Jahren Fischer. In Werder an der Havel machte der 50-Jährige eine Lehre bei einem Binnenfischer, anschließend besuchte er die Meisterschule in Frankfurt an der Oder. Vor drei Jahren hat Ohlhöft von einem Kollegen ein kleines Grundstück am Teltow-Kanal übernommen. Am Ufer steht ein Container aus Wellblech, im Wasser liegt ein kleines blaues Boot und zwischen vielen Bäumen stehen rote Holzbänke unter einem roten Sonnenschirm. Peter Lustig könnte hier wohnen, denkt der Besucher. Ohlhöft denkt, wie lange er sich das alles noch leisten kann.

Gerade die für den Fischer profitabelsten Arten Zander und Aale werden weniger. Für den Zander ist das durch Umweltauflagen immer sauberer werdende Wasser Gift. Er liebt trübes Gewässer und die Überlebenschancen der Brut werden mit zunehmender Wasserreinheit geringer. Außerdem macht ein Großbetrieb aus Berlin dem Fischer das Leben schwer. „Jeden Winter fischt der mit einem großen Netz, da bleibt für den normalen Fischer nichts mehr übrig“, sagt Ohlhöft. Wenn er dann noch über die „Aal-Katastrophe“ spricht, regt er sich erst richtig auf. Von Aal-Farmen in ganz Europa spricht er dann, die „zu furchtbar günstigen Preisen die Fische verkaufen, da kann ich nicht mithalten“. Er spricht davon, dass sich die Strömungsverhältnisse im Golfstrom derart verändert haben, dass weniger Aalbrut an den Küsten ankommt. Und dann erzählt Ohlhöft noch von seinen „Lieblingsfreunden“, den Kormoranen. „Jeden Tag sehe ich hunderte von denen über dem Wasser. Wenn ich dann daran denke, dass jeder von denen mehrere Aale isst, könnte ich glatt verrückt werden.“

Obwohl ein Berliner Hotel und ein Fischrestaurant aus Werder seine festen Abnehmer sind, kann Norbert Ohlhöft nicht mehr ausschließlich von der Fischerei leben. Auf einer Pony-Farm hat er vor kurzem einen Hausmeister-Job angenommen und auch in mehreren Wohnhäusern in Potsdam ist er für kleine Reparaturarbeiten zuständig.

Um die Fischerei kümmert er sich nur noch an zwei Tagen in der Woche. Dann fährt er vier Stunden raus aufs Wasser und kontrolliert seine Reusen rund um die Pfaueninsel und im großen Wannsee. Wenn es gut läuft, fängt er rund 30 Kilogramm Aale und zehn Kilogramm Zander in der Woche. Doch das reicht nicht zum Leben. Subventionen von der Europäischen Union bekommt ein einfacher Betrieb wie der von Ohlhöft auch nicht. Subventionen gibt es nur, wenn Anlagen modernisiert werden. Aber warum modernisieren, wenn die Perspektive fehlt?

Als „aussterbende Art“ bezeichnet er den Beruf des Fischers. „Ich werde bald auf einer roten Liste stehen“, sagt er und lacht. In seinem Ausbildungsjahr vor über dreißig Jahren gab es noch 30 Auszubildende. Heute kennt Ohlhöft keinen mehr, der Fischer werden will. „Fischer werden mit Steinen auf dem Rücken geboren, damit sie das Jammern nicht verlernen“, sagt Ohlhöft zum Abschied und lacht. Den Humor habe er noch nicht verloren, ruft er dem Besucher zu. Ob er den Beruf noch einmal wählen würde, wenn er könnte? Natürlich, sagt er. Denn glücklich, das sei er trotz allem.

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