Wirtschaft : Zur Sonne, zur Börse

Nach dem guten Start von Conergy wollen weitere Solarfirmen Aktien ausgeben / Bundestagswahl 2006 gilt als Risiko

Anselm Waldermann

Berlin - Nach dem fulminanten Börsenstart des Solarunternehmens Conergy stehen weitere Firmen der Branche in den Startlöchern. „Wir erwarten in den nächsten zwölf Monaten zehn Börsengänge von Solarunternehmen“, sagte Christian Schindler, Analyst bei der Landesbank Rheinland-Pfalz, dem Tagesspiegel. Vor allem der hohe Ölpreis mache Solarfirmen momentan für Anleger interessant.Gleichzeitig stellt die Bundestagswahl 2006 für die Branche ein gewisses Risiko dar. „Dieses Zeitfenster müssen die Unternehmen jetzt nutzen“, erklärte Arthur Hoffmann, Portfolio Manager bei der Bank Sarasin. Als Börsenkandidaten werden unter anderem der Solarzellen-Produzent Q-Cells, der Hersteller von Siliziumscheiben PVCrystalox und der Modul-Fabrikant Antec Solar Energy gehandelt.

Die Hamburger Firma Conergy hatte am vergangenen Donnerstag ein äußerst erfolgreiches Börsendebüt gefeiert. Insgesamt waren Conergy-Titel dem Unternehmen zufolge 29-fach überzeichnet. Der Aktienkurs stieg zeitweise auf 71 Euro – 31 Prozent über dem Ausgabepreis.

Ähnlich gute Chancen rechnen sich auch andere Solarfirmen aus. „Ein Börsengang bietet interessante Perspektiven für mehr Wachstum“, sagte Hubert Aulich, Vorstand der deutsch-britischen PV Crystalox mit Sitz in Oxford und Erfurt. Zwar prüfe man noch andere Möglichkeiten der Kapitalbeschaffung; ein Gang auf das Parkett sei aber die wahrscheinlichste Variante. „Derzeit sieht es danach aus.“

Bei der thüringischen Antec Solar Energy hat man sich bereits entschieden: „Wir machen das in diesem Jahr“, sagte Vorstand Udo Bockemühl. Dabei gehe es dem Unternehmen gar nicht so sehr um eine Kapitalerhöhung. „Wir haben schon 3000 Aktionäre, mehr brauchen wir nicht unbedingt“, sagte Bockemühl. Ihm gehe es vielmehr um ein Listing. Der Börsengang sei daher ohne große Kapitalerhöhung geplant – vermutlich nach der Sommerpause.

Einen anderen Weg hat die Hamburger Reinecke + Pohl Solare Energien GmbH gewählt. Das Unternehmen übernahm eine bereits existierende Aktiengesellschaft, die insolvente Beka Grundbesitz und Beteiligungs AG, und nutzt sie jetzt als Mantel für das eigene Solargeschäft. Derzeit sind 7,7 Prozent der Aktien frei handelbar. „Mittelfristig soll dieser Anteil aber auf 20 bis 30 Prozent steigen“, sagte Sprecher Martin Schulz-Colmant dem Tagesspiegel. Schon bald könne man mit einer Kapitalerhöhung rechnen.

Ein weiterer Börsengang könnte bei der sachsen-anhaltinischen Q-Cells anstehen. Im Unternehmen selbst wollte sich zwar niemand dazu äußern. In der Branche gilt es aber als heißer Kandidat – fast alle Analysten räumen einem Börsengang gute Chancen ein: „Wenn Q-Cells kommt, werden wir auf jeden Fall mitmachen, wenn der Preis stimmt“, sagte Arthur Hoffmann, Portfolio Manager bei der Bank Sarasin.

Dass ausgerechnet jetzt so viele Solarfirmen an die Börse drängen, hat zwei Gründe: Zum einen macht das teure Öl ein Investment in regenerative Energien attraktiv – so steigt die Nachfrage nach Solaranlagen in der Regel parallel zum Ölpreis. Zum anderen könnte sich das günstige Umfeld bald wieder ändern: Schließlich ist die Solarbranche in hohem Maß von den Fördersätzen des Erneuerbare- Energien-Gesetzes (EEG) abhängig – und das soll im Jahr 2007 überprüft werden. Dies bedeutet für die Firmen ein hohes Risiko – vor allem, wenn die Bundestagswahl 2006 von Union und FDP gewonnen werden sollte.

Geplante Börsengänge müssen daher schnell über die Bühne gehen: „Wer jetzt lange wartet, verpasst seine Chance“, erklärt Hoffmann. Schließlich würde die Nachfrage nach Solaraktien bei einem stark sinkenden Ölpreis oder bei einer Änderung der politischen Rahmenbedingungen nachlassen.

Das sieht auch Theo Kitz, Solar-Analyst bei Merck Finck&Co., so: „Ich sehe derzeit keine gravierenden Risiken.“ Langfristig könnte sich dies allerdings ändern. So könnten nach einem Sieg von Union und FDP bei der Bundestagswahl 2006 Änderungen am Erneuerbare-Energien-Gesetz anstehen. Außerdem könnte die aufflammende Diskussion um die Restlaufzeiten der deutschen Atomkraftwerke der Solarbranche schaden. „Wenn die Nuklear-Energie wieder in Mode kommt, wären Solaraktien nicht mehr so interessant“, warnte Kitz. Das Gleiche gelte für den Fall, dass der Ölpreis von derzeit rund 50 Dollar wieder auf 30 Dollar sinkt.

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