Zur Zukunft von Air Berlin : Im Griff der Scheichs

Wenn Etihad die Mehrheit bei Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft übernimmt, könnten die Landerechte in Gefahr geraten.

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Zwei Stewardessen, eine von Air Berlin, eine von Etihad, stehen hinter zwei Leitwerken mit den Logos der beiden Fluggesellschaften. Foto: dpa
Bitte lächeln. Am Donnerstag klärt sich die Zukunft von Air Berlin. Womöglich bleibt das Unternehmen nur dem Namen nach deutsch.Foto: dpa

Derzeit wird viel spekuliert, wie die Zukunft von Air Berlin aussieht. Bei allen Planspielen spielt aber ganz sicher eine Frage eine Rolle: Wie kann Air Berlin deutsch oder wenigstens europäisch bleiben? Nur dann müsste die Gesellschaft nicht den Verlust von Landerechten in Deutschland fürchten. So ist es in einer EU-Verordnung aus dem Jahre 2008 geregelt. Zum Stichtag 31. Dezember 2013 lagen bereits knapp 45,7 Prozent der Anteile in Händen von Investoren außerhalb der EU. Das Luftfahrtbundesamt müsste also, sobald die Mehrheitsverhältnisse geklärt sind, prüfen, ob die Bedingungen für die Erteilung einer Betriebserlaubnis noch vorliegen.

Anleger sind sich derzeit offenbar nicht sicher, dass das so einfach gelingt. Seit fast einer Woche geht es mit dem Air-Berlin-Papier an dem einen Tag um mehr als zehn Prozent rauf, dann stürzt die Aktie wieder ab. Am Montag, als neue Spekulationen über die Zukunft der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft (Selbstbeschreibung) aufkamen, ging es wieder hoch, zeitweilig um zehn Prozent gegenüber dem Freitagskurs, bei Börsenschluss notierte das Papier immerhin noch 2,1 Prozent im Plus. Erst am Donnerstag dürfte etwas Ruhe einkehren. Dann will der Vorstand um Wolfgang Prock-Schauer in Berlin mit einer Woche Verspätung die Geschäftszahlen fürs Gesamtjahr 2013 vorlegen – und sich dazu äußern, warum er die Bilanzpressekonferenz vergangene Woche so kurzfristig verschoben hat. Bis dahin wird spekuliert.

Die bisher plausibelste These lautet, Air Berlins größter Einzelaktionär Etihad Airways, die Staatsfluglinie aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, wolle Air Berlin von der Börse nehmen, seinen Anteil aufstocken und so größere Kontrolle gewinnen. Am Ende könnte Etihad – wie berichtet – Air Berlin in zwei Gesellschaften aufspalten: eine, die sich weiter um das innereuropäische Geschäft kümmert, also vor allem die lukrativen Strecken zwischen den Großstädten in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit den Sonnenzielen am Mittelmeer. Eine zweite Air-Berlin-Gesellschaft, womöglich mit gehobenem Standard an Bord, könnte die Flughäfen Mitteleuropas an das Etihad-Drehkreuz in Abu Dhabi anbinden. So weit ist es aber noch lange nicht.

Etihad müsste viele Kleinaktionäre abfinden

Zunächst müsste Etihad, derzeit mit einem Anteil von gut 29 Prozent der Stimmrechte, weitere Aktionäre davon überzeugen, die Gesellschaft von der Börse zu nehmen – allen voran die türkische Esas Holding der Industriellenfamilie Sabanci. Deren Vertreter Ali Sabanci, der auch im Verwaltungsrat der Air Berlin plc sitzt, mochte sich nicht zu dem Thema äußern. Die Air-Berlin-Anteile sind relativ breit gestreut. Selbst der Gründer und langjährige Chef Joachim Hunold hält nicht einmal zwei Prozent. Der Interimschef und heutige Chef der Berliner Flughäfen, Hartmut Mehdorn, hält lediglich 0,1 Prozent.

Etihad müsste also viele Kleinaktionäre abfinden. Ein übliches Angebot läge in Höhe des durchschnittlichen Aktienkurses der vergangenen 90 Tage, also bei rund zwei Euro. Luftfahrtanalysten wie Johannes Braun von der Commerzbank oder Händler Andreas Lipkow vom Vermögensverwalter Kiegel & Hafner äußerten sich eher pessimistisch, dass für Kleinanleger bei diesem Szenario viel herausspringt. „Es wäre eine Frechheit, wenn Air Berlin jetzt von der Börse genommen würde“, sagte Michael Kunert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Das Papier habe beim Gang an die Börse mit neun Euro notiert und dann fast stetig verloren. „Jetzt, wo die Aussicht auf eine nachhaltige Gesundung besteht, sollen die Kleinaktionäre nicht davon profitieren? So geht das nicht.“

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