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Zurück an der Börse : Die Auferstehung von General Motors

17 Monate nach der geordneten Insolvenz reißen sich Anleger um Aktien des US-Autokonzerns. Ist GM womöglich ein Beispiel dafür, dass staatliche Rettungsmilliarden keine verlorenen Zuschüsse für die Steuerzahler sein müssen?

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Der Börsengang von General Motors lohnt sich nicht nur für die Anleger, sondern auch für die amerikanische Staatskasse.
Der Börsengang von General Motors lohnt sich nicht nur für die Anleger, sondern auch für die amerikanische Staatskasse.Foto: Reuters

Der Donnerstag war ein Zahltag – und die Regierung stand diesmal auf der angenehmeren Seite: nicht dort, wo man das Geld ausgibt, sondern es in Empfang nimmt. Vor knapp 17 Monaten hatte General Motors (GM), der kurz zuvor noch größte Autokonzern der Erde, den Gang in die geordnete Insolvenz angetreten. Nur mehrere Finanzspritzen der Regierung im Gesamtwert von 49,5 Milliarden Dollar retteten das Überleben. Im Gegenzug übernahm sie 61 Prozent an dem Konzern. Die übrigen Anteile gingen an die Regierung von Kanada, wo viele GM- Werke stehen, die Gewerkschaft der Autobauer UAW und Investoren.

Am Donnerstag ging das Unternehmen wieder an die Börse. Das Interesse war so groß, dass der Preis der 478 Millionen angebotenen Stammaktien auf je 33 Dollar festgelegt wurde, die Obergrenze der geplanten Bandbreite. Ein zusätzliches Paket von 71,7 Millionen Aktien wurde platziert, das man in den USA "overallotment" nennt. Darüber hinaus bot GM Vorzugsaktien im Wert von 4,35 Milliarden Dollar an. In der Summe wird der Erlös um die 21 bis 23 Milliarden Dollar betragen; das wäre der größte Börsengang in der Geschichte der USA und womöglich weltweit. Den globalen Rekord hält bisher der Börsengang der Agricultural Bank of China vom Juni 2010 mit 22,1 Milliarden Dollar – und innerhalb der USA Visa mit 19,7 Milliarden Dollar im März 2008. Das waren jedoch keine Auferstehungen aus der Insolvenz.

Für Deutschland und andere Staaten, die sich gezwungen sehen, große Konzerne vor der Pleite zu schützen, um Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt und der Volkswirtschaft zu verhindern, stellt sich die Frage: Ist GM ein Beispiel, dass staatliche Rettungsmilliarden keine verlorenen Zuschüsse für die Steuerzahler sein müssen? Seit GM am 1. Juni 2009 die geordnete Insolvenz erklärte, hat der Konzern 7,4 Milliarden Dollar an Krediten, Zinsen und Dividenden dem Staat zurückgezahlt. Der Börsengang bringt der Staatskasse 13,6 Milliarden Dollar. Der Staatsanteil an GM sinkt von 61 auf 26 Prozent.

Obama: "Meilenstein für die amerikanische Automobilindustrie"

Sechs Monate lang wird die Regierung keine weiteren GM-Aktien verkaufen, um den Kurs nicht zu gefährden. Danach will sie sich allmählich von ihren verbleibenden 500 Millionen Anteilen trennen. Sie müsste einen Durchschnittspreis von 53 Dollar pro Aktie erzielen, um alle Kosten der Rettung abzudecken. Doch selbst wenn dem Staat bei der Bilanz in seiner Rolle als Investmentbanker am Ende rechnerisch ein Minus verbliebe, steht dem nach Analyse der "New York Times" ein hoher Nutzen gegenüber: Das staatlich garantierte Überleben von GM und Chrysler hat 1,1 Millionen Beschäftigte im Jahr 2009 vor der Arbeitslosigkeit bewahrt und 314.000 Jobs 2010 gerettet. Das spart Arbeitslosenhilfe und Zuschüsse für das Umlernen auf andere Tätigkeiten.

Präsident Barack Obama sprach von einem "Meilenstein für die amerikanische Automobilindustrie". Die Entwicklung diene der Erfüllung seines Versprechens, eine lebensfähige Autoindustrie in den USA zu erhalten und zugleich die Interessen der Steuerzahler zu schützen. Republikaner hatten sich zwar nicht offen gegen die Rettung von GM und Chrysler ausgesprochen, aber das Ergebnis der Interventionen zur Rettung von Banken und Autokonzernen kritisiert. Es sei nicht Aufgabe des Staates, sich in die Privatwirtschaft einzumischen. Im Wahlkampf spotteten sie, GM stehe für "Government Motors", einen Staatsbetrieb.

Nach ersten Analysen gingen mehr als 90 Prozent der angebotenen Aktien an Investoren aus Nordamerika. Weniger als fünf Prozent entfielen auf Anlagefonds aus Asien und dem Nahen Osten. Der chinesische Konzern SAIC, ein enger Kooperationspartner GM’s auf dem in der Zukunft größten Automarkt der Erde, kaufte ein Prozent. Man erwartet, dass die GM-Aktie in den nächsten Tagen um 10 bis 20 Prozent über den Ausgabepreis von 33 Dollar steigt. Der wahre Test des Werts kommt in den Wochen danach.

Im Zuge der Neustrukturierung hatte GM vier seiner acht Automarken geschlossen und ist heute der zweitgrößte Autokonzern der Erde hinter Toyota und vor VW. Seinen Anteil am US-Markt hat GM nach jahrelangem Rückgang bei 19 Prozent stabilisiert. In den ersten drei Quartalen 2010 wies der Konzern einen Gewinn von 4,2 Milliarden Dollar aus.

Große Hoffnungen richten sich auf das Modell "Volt". Es ist ein Auto etwa in der Größe eines VW Golf und hat sowohl einen Elektro- als auch einen Benzinmotor. Mit Strom kann der Volt 40 Meilen (64 Kilometer fahren). Diese Reichweite ist höher als der Weg, den drei Viertel der Amerikaner zur Arbeit und wieder nach Hause zurücklegen. Der zusätzliche Benzinmotor erlaubt aber auch längere Strecken. Mit 40.000 Dollar liegt der Preis des Volt freilich weit über dem für Autos ähnlicher Größe. Es ist ein von der Regierung gewünschtes Prestigeprojekt. Für Außenstehende ist schwer ersichtlich, welchen Vorteil der Volt gegenüber reinen Elektroautos oder Hybridfahrzeugen anderer Hersteller hat.

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