Wirtschaft : Zurück auf Los

ACS hat Probleme bei der Übernahme von Hochtief

Markus Hennes (HB)

Düsseldorf - Einen Monat lang sah es so aus, also würde die Hochtief-Übernahme für den spanischen Baukonzern ACS ein glatter Durchmarsch. Doch jetzt trifft der Angreifer auf unerwarteten Widerstand. Die Finanzaufsicht Bafin hat die ursprünglichen Pläne der Spanier offenbar durchkreuzt. Wie berichtet, beantragte ACS am Freitag überraschend eine Fristverlängerung bis zur Abgabe des offiziellen Übernahmeangebots, das die Bafin bereits genehmigt hat. Noch am Dienstag hatten die Spanier angekündigt, ihre Offerte am Donnerstag einzureichen.

Der Grund für die Kehrtwende: Nach Informationen des „Handelsblatts“ hält die Bonner Behörde die bisher von ACS gebotenen Sicherheiten insbesondere für die freien Aktionäre von Hochtief für nicht ausreichend. Außerdem, berichten Insider, fordert die Bafin von den Spaniern ein belastbares Finanzierungskonzept für den Fall, dass ACS auch ein Übernahmeangebot für die australische Hochtief-Tochter Leighton vorlegen muss.

Schließlich würde eine Kaufofferte für Leighton die Hochtief-Übernahme um rund 3,6 Milliarden Euro verteuern – eine möglicherweise zu hohe Belastung für den ACS-Konzern, den schon jetzt Schulden von mehr als zehn Milliarden Euro drücken. Die Bafin war am Wochenende für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Eine ACS-Sprecherin wollte die Informationen nicht kommentieren.

Klar ist: Die Hochtief-Übernahme wird für die Spanier jetzt ein gewaltiger finanzieller Kraftakt. Voraussichtlich am 19. November wird ACS eine außerordentliche Hauptversammlung abhalten. Die Aktionäre sollen dabei eine Kapitalerhöhung um bis zu 50 Prozent des bestehenden Aktienkapitals beschließen. Dies entspricht maximal 157 Millionen ACS-Aktien oder sechs Milliarden Euro.

Am 16. September hatte ACS überraschend ein Übernahmeangebot für den größten deutschen Baukonzern angekündigt. Bisher sind die Spanier mit knapp 30 Prozent an Hochtief beteiligt und damit der mit Abstand größte Anteilseigner in Essen. Durch einen Aktientausch wollen sie die Mehrheit übernehmen. Sie bieten acht eigene gegen fünf Hochtief-Aktien. Für die Mehrheit an Hochtief - und mehr wollen die Spanier, wie sie immer wieder betonen, gar nicht - benötigt ACS rund 14 Millionen Aktien. Dafür müssten sie im Tausch 22,4 Millionen eigene Aktien hergeben – die sie aber erst einmal selbst haben müssen. Zwar hat ACS schon mehr als 19 Millionen eigene Aktien zurückgekauft. Weil das noch nicht reicht, sollen im Zuge der Kapitalerhöhung neue Anteilsscheine ausgegeben werden. „Durch die Kapitalmaßnahme gewährleisten wir, dass wir auf jeden Fall unser Ziel bei Hochtief erreichen - egal bei welchem Szenario“, sagte eine ACS-Sprecherin.

Damit der Konzern neue Aktien ausgeben darf, muss die Hauptversammlung noch zustimmen. Und das könnte schwierig werden. Die Großaktionäre von ACS haben der Kapitalerhöhung zwar bereits zugestimmt; sie halten rund 60 Prozent der Aktien. Ob aber auch die übrigen Anteilseigner mitziehen werden, ist völlig offen. Mindestens einer dürfte dagegen sein: Der spanische Energieversorger Iberdrola. Das Unternehmen kämpft selbst gegen eine drohende Übernahme durch den ACS-Konzern und kann kein Interesse daran haben, dass der mit Hochtief noch stärker wird. Deshalb halten Börsenexperten die bisherige Kalkulation der Spanier für viel zu optimistisch. ACS hofft beim aktuellen Kurs der eigenen Aktie auf Einnahmen von knapp sechs Milliarden Euro. Ein Banker, der namentlich nicht genannt werden will, äußerte jedoch starke Zweifel, ob sich eine solch massive Kapitalerhöhung in der Nähe des aktuellen Börsenkurses platzieren lasse. Er geht davon aus, dass die neuen ACS-Aktien mit einem kräftigen Abschlag auf den aktuellen Börsenkurs an den Markt kommen werden.

Und dann könnte das Geld schnell wieder knapp werden. Denn als Giftpille gegen die drohende Übernahme durch ACS hat Hochtief die australische Börsenaufsicht Asic aufgefordert, die Spanier zu einem Übernahmeangebot für die Konzerntochter Leighton zu zwingen. Wie eine Hochtief-Sprecherin am Wochenende sagte, hat die Asic dem Essener Konzern bislang noch nicht mitgeteilt, wie sie den Fall bewerte.Markus Hennes (HB)

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