Wirtschaft : Zurück zum Dipl.-Ing.

Initiative fordert den Erhalt des Abschlusses

Stefanie Hergert (HB)
Made in Germany. Der Titel soll als Markenzeichen bestehen bleiben. Foto: Kleist-Heinrich
Made in Germany. Der Titel soll als Markenzeichen bestehen bleiben. Foto: Kleist-Heinrich

„Der Abschlussgrad Diplom-Ingenieur ist Bologna-kompatibel.“ Davon sind die führenden technischen Universitäten Deutschlands überzeugt. TU9 nennt sich der Verbund, in dem sich die TU in Berlin, Braunschweig, Darmstadt, Dresden und München, die RWTH Aachen, die Leibniz Universität Hannover, das Karlsruhe Institute of Technology und die Universität Stuttgart gefunden haben.

Im Oktober dieses Jahres haben die neun Hochschulen dem renommierten Titel zum 111. Geburtstag eine Festschrift gewidmet. Darin findet sich auch ein Essay des Sprachkritikers Wolf Schneider, der da schreibt: „Dass zusammen mit der Einführung des Master of Science der deutsche Titel Dipl.-Ing. verschwinden soll, das wurde in Bologna gar nicht verlangt.“

Die Nachbarn in Österreich haben die Bologna-Erklärung, mit der 29 europäische Staaten 1999 den Weg zu vereinheitlichten Studienabschlüssen frei machten, auch genauso gelesen und umgesetzt. Dort können sich die Hochschulen nämlich entscheiden, ob sie den Absolventen technischer Studiengänge den Mastergrad oder aber den Diplom-Ingenieur verleihen. Und laut der österreichischen Universitätenkonferenz wählen viele Hochschulen den bewährten Titel. Das heißt aber nicht, dass die Studiengänge nicht Bologna-kompatibel sind. Umgesetzt hat man die Reform im Nachbarland nämlich genauso wie hierzulande.

Die Lösung in Österreich würden die Chefs der neun TUs gerne kopieren. „Wir wollen die gemäß Bologna reformierte Ingenieurausbildung mit dem bekannten und wertgeschätzten Qualitätslabel Diplom-Ingenieur verbinden“, sagt TU9-Präsident und RWTH-Rektor Ernst Schmachtenberg.

Schon länger werben Schmachtenberg und Kollegen dafür, aber nicht überall stößt die Initiative auf Zuspruch. Einige Universitäten wollen die Marke nur ihren Studiengängen vorbehalten. Die Diskussion könnte zu einem Graben zwischen Universitäten und Fachhochschulen führen, heißt es beim VDI. Der unterstützt zwar die Forderung, den Diplom-Ingenieur zu erhalten, aber nur als Qualitätszeichen, nicht als akademischen Titel.

Für den aber kämpft TU9-Präsident Schmachtenberg und argumentiert in der Festschrift heftig gegen die Abschaffung des Diplom-Ingenieurs. Im 19. Jahrhundert sei ein „Allerhöchster Erlass“ Kaiser Wilhelms II. nötig gewesen, um den Titel einzuführen. Heute reichen einige Bildungsminister. Stefanie Hergert (HB)

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