Wirtschaft : Zurück zur Marke

Sportfachhandel: Die Zeit der Billiganbieter geht vorbei / Puma will den Umsatz bis 2010 verdoppeln

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München – Der Sportbranche geht es so gut wie schon lange nicht mehr. Handel und Produzenten freuen sich über ein unerwartet gutes Geschäft. „Die Zeit von Discountern und Billiganbietern geht langsam vorbei“, sagt Andreas Rudolf vom Einkaufsverbund Sport 2000. Die Deutschen sind offenbar wieder bereit, für Markenartikel tief in die Tasche zu greifen.

In den vergangenen Jahren hat die Branche darunter gelitten, dass sich die Leute ihre neuen Turnschuhe und Sporthemden eher bei Aldi und Lidl als im Fachgeschäft gekauft haben. Doch damit ist jetzt offenbar Schluss. Insgesamt nahmen die deutschen Sportfachhändler im ersten Halbjahr 3,5 Prozent mehr ein als 2005. Für das gesamte Jahr rechnet der Verband Deutscher Sportfachhandel sogar mit einem Plus von vier Prozent. Getrieben wird das Geschäft nicht nur von der Euphorie rund um die Fußball-Weltmeisterschaft, sondern unter anderem auch von Outdoor-Artikeln. Vor allem Rucksäcke und Wander- sowie Kletterschuhe verkaufen sich glänzend.

Am allerbesten geht es momentan den großen, global tätigen Sportkonzernen. So kletterte der Umsatz von Puma im zweiten Quartal um satte 38 Prozent auf 547 Millionen Euro. Zwar stammt mehr als die Hälfte des Zuwachses aus Vertriebsrechten, die das Unternehmen von Partnern in verschiedenen Ländern zurückgekauft hat. Den Rest haben die Franken aber aus eigener Kraft zugelegt.

Der hinter Nike und Adidas drittgrößte Sportkonzern der Welt hat kräftig von der WM profitiert. Mit Italien rüstete Puma den Weltmeister aus, was für ein besonders gutes Geschäft mit den Trikots des Teams sorgte.

Die WM hat allerdings auch ihre Schattenseiten. Da Puma rund um das Fußballspektakel viel Geld für Werbung ausgab, fiel der Gewinn im zweiten Quartal um 15 Prozent auf 50 Millionen Euro. Übers gesamte Jahr gesehen werde das Marketing allerdings nicht mehr Geld verschlingen als sonst, versichert Puma.

Der Ergebnisrückgang kommt nicht überraschend, Analysten hatten den niedrigeren Gewinn im Vorfeld schon erwartet. Die Experten der Hypo-Vereinsbank gehen im Übrigen davon aus, dass sich bei Adidas ein ähnliches Bild ergibt. Der Konzern legt seine Zahlen am Mittwoch vor.

Dass die Umsätze nach der erfolgreichen Fußball-WM einbrechen, glaubt in der Branche niemand. „Es besteht keine Gefahr, dass wir nun in ein Loch fallen“, sagt Sport-2000-Manager Rudolf. Und Klaus Jost vom Einkaufsverbund Intersport ergänzt: „Fußball ist für viele Kinder wieder interessant geworden.“

Auch die Analysten sehen noch Potenzial für die Sportkonzerne. So geht die Hypo-Vereinsbank davon aus, dass der Aktienkurs von Puma auf bis zu 360 Euro klettern wird. Das wäre gegenüber dem Stand von Donnerstag ein Plus von fast 30 Prozent. Auch die Adidas-Aktie könnte noch um mehr als ein Drittel steigen, prognostizieren die Experten.

Puma sorgte gestern für Kursphantasie, weil Vorstandschef Jochen Zeitz einen Jahresumsatz von vier Milliarden Euro für das Jahr 2010 in Aussicht stellte. Das sind 500 Millionen mehr als bislang geplant. Dies will er durch neue Produktkategorien und eine regionale Expansion erreichen. Zum Vergleich: Vergangenes Jahr lag der Umsatz bei knapp 1,8 Milliarden Euro. jojo (HB)

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